Lieber Gast, einige Inhalte von CLIMBING.PLUS stehen nur registrierten Mitgliedern zur Verfügung.
Damit wollen wir den Communitygedanken weiterführen. Als Mitglied trägst du zum Puls der Community bei und nur so ist es möglich, weiterhin hochwertige Inhalte für alle bereitzustellen.
Hier gehts zur Registrierung.

Horsts Tagebuch - Die Geschichte eines Raumschiffes und der ungläubigen Krankenschwester

​Es gibt Geschichten die können nur vom Leben selbst geschrieben werden! "Jobstraibitzer - so haßt kana!" ist nicht nur ein Interview auf unserer Seite, sondern auch ein Boulder in Peggau am Dumpfbackenblick. Wieso der so heißt, konnte nur einer aufklären, Horst himself! Lest hier die fantastische Geschichte, zur Verfügung gestellt von Horst Jobstraibitzer, ein großes Dankeschön für das Zusammenschreiben und teilen, wir sind begeistert und haben Spatzen vor lauter Lachen! :-D


Jobstraibitzer – so haßt kana – die Geschichte

Es gibt immer noch Leute die glauben, ich hätte den „Jobstraibitzer" an der Dumpfbacke in Peggau erstbegangen. Dann wiederum gibt es Leute die glauben, dass es mich gar nicht gibt und sind mehr als verblüfft wenn ich plötzlich vor ihnen stehe. Allerhöchste Zeit also Licht ins Dunkel zu bringen und die Sache lückenlos aufzuklären.

Der Boulder im linken Bereich der Dumpfbacke wurde von Bene Hacker erstbegangen und checkt als solide 7c ein. Die Verhältnisse für den schmierigen Schlüsselsloper scheinen einfach nie zu passen und auf eine der raren Begehungen kann man, zu Recht, richtig stolz sein. Ich selbst bin ihn bisher nicht geklettert. Vermutlich weil ich nie richtig probiert habe und zudem haben die Bedingungen ganz bestimmt auch nie gepasst.

Der Boulder hieß zuerst „der Überhang mit dem Zapferl und dem Aufleger". Später, im ersten Dumpfbackentopo, bekam er bereits eine Nummer. Ich glaube es war Boulder Nr. 3.

Irgendwann erzählte ich, unter dem Überhang auf dem Crashpad sitzend dem Rechberger Pauli eine Geschichte aus meinem Leben. Anscheinend gefiel sie ihm so gut, dass er befand der Boulder könnte ruhig so benannt werden.

Seitdem heißt Benes 7c „Jobstraibitzer – so haßt kana"

Und hier die Geschichte dazu.

Sommer 1991. Ich war unter die Wettkampfkletterer gegangen und mit meinem Kumpel Martin zu einem Event nach Mayrhofen ins Zillertal gefahren. Der Bewerb zählte zu den österreichischen Meisterschaften und fand in der Europahalle statt. Zumindest glaube ich mich daran zu erinnern, dass die Halle so hieß. Fakt auf alle Fälle war, dass ihre Höhe für einen Kletterwettbewerb nicht ausreichte. Und zwar eindeutig nicht. Dies fiel auch den Leuten von Art Rock auf, die kurzerhand die Wand in den Orchestergraben stellten.

Gerhard Hörhager, als einheimischer Spitzenkletterer, schraubte die Routen und Swami Prem Darshano gab den Saalsprecher.

Für die jüngere Leserschaft:
Gerhard Hörhager ist bereits 1987 in Grenoble Vizeweltmeister geworden und klettert immer noch im 8c Bereich.

Swami Prem Darshano hieß früher einmal Luggi Rieser bevor er zur Bhagwan Sekte konvertierte und ist Erstbegeher vieler, zumeist haarsträubend abgesicherter Routen in den Ostalpen. Eine von ihm erstbegangene Route zu wiederholen kommt einem Ritterschlag gleich. Darshano ist ein paar Jahre älter als ich und erschließt immer noch Routen ohne Bohrhaken die ich auch in meinen allerbesten Tagen nicht einmal im Nachstieg hochgekommen wäre.

Jedenfalls hat Gerhard beim Schrauben der Routen nicht bedacht, dass die Wand während des Wettkampfes mit starken Scheinwerfern ausgeleuchtet wird. Die Aufleger verwandelten sich in der Hitze der Strahler zu unhaltbaren Slopern und die allermeisten Athleten schmierten ab und krachten in den Graben zurück noch bevor sie an die Oberfläche gelangten. Ich kam zumindest soweit, dass ich nicht mehr ins Loch zurückflog sondern mit dem Hintern am Fußboden absaß. Ground zero sozusagen. Blöd war nur dass ich auf meinem Chalkbag zu sitzen kam, dessen Inhalt sich in einer riesigen Staubwolke über die ersten Zuschauerreihen verteilte. Meine erreichte Höhe von exakt 3,78 m hätte für das Halbfinale gereicht. Hätte – wäre nicht einem Protest stattgegeben worden, der mich einen Rang zurückbeförderte.

Als 15. im Viertelfinale war der Wettkampf somit auch für mich beendet. Glücklicherweise fand ganz in der Nähe ein Sommerfest statt und so gegen 4 Uhr früh hatte ich den Bewerb aus meiner Erinnerung verbannt und mit Martin einen Frankenjuratrip ausgemacht.

Ein paar Tage später, bei sengender Sommerhitze wohlgemerkt, waren wir Richtung Norden, in die Fränkische unterwegs, während von Osten her sich ein infernalisches Tiefdruckgebiet auf den Weg machte. Ziemlich zeitgleich trafen wir dort ein. Kaum hatten wir es uns mit einem Bierchen in unseren Campingsesseln gemütlich gemacht, fielen die ersten Tropfen.

Zu dieser Zeit gab es in der Fränkischen nur eine wirklich regensichere Adresse – den Weissenstein bei Neuhaus. Und dort, im linken Wandteil, zieht das „Strohdach" durch die Überhänge nach oben. Eine 9-. Erstbegangen 1981 von der amerikanischen Kletterikone John Bachar und eine der bekanntesten Kletterrouten Deutschlands. Dunkel kann ich mich daran erinnern, dass ich mich zur Umlenkung hochgekämpft habe. Und ebenso dunkel erinnere ich mich, dass ich absolut chancenlos war. Oben lief bereits das Wasser über die Griffe und das letzte Stück trockener Fels im Frankejura begann langsam aber stetig abzusaufen. Martins Versuch endete auch nicht glorreicher und als ich ihn am Seil abließ zeigte er mit dem Finger nach Süden. „Arco" sagte er. Ich nickte wortlos.

Stunden später tuckerten wir mit Martins Lite Ace Bus auf der Autobahn dahin. Wir jausneten, erzählten einander Schwänke aus unserem Leben, hörten geile Mucke und waren allerbester Dinge zumal sich die Wolkendecke gegen Süden hin bereits ein wenig zu lichten begann. Gerade als wir bei der Frage angelangt waren ob wir zuerst im Trentino einkehren und anschließend die steilen Treppen ins il gatto nero hinunterspringen oder gleich der schwarzen Katze den Vorzug geben sollten, gab es einen unglaublichen Knall.

Der Lite Ace beschleunigte augenblicklichst auf doppelte Warpgeschwindigkeit und wir rasten, wie die Besatzung von Raumschiff Enterprise, Richtung Milchstraße. Selbst ein steckengebliebenes Gaspedal hätte niemals so eine Beschleunigung hervorrufen können.

Wir hatten keine Ahnung was mit uns geschah. Ich habe jetzt noch unser panisches Kreischen im Ohr. Sehe jetzt noch unsere schreckgeweiteten Augen. Der Bus begann zu schwanken und kippte schließlich um. Zwischen meinem Ohr und dem funkensprühenden Asphalt gab es lediglich die dünne Seitenscheibe. Zum Glück blieb sie heil.

Irgendwann, nach endlos scheinenden Sekunden, fand die intergalaktische Rutschfahrt ihr Ende. Der Bus kam zum Stillstand. Martin hing über mir im Sicherheitsgurt. „Raus" schrie er, „wir müssen da raus". Irgendwie schafften wir es uns zu befreien und wir stiegen wie bei einem Panzer nach oben hin aus. Die LKWs schlingerten links und rechts mit knapper Not an uns vorbei. Der Bus lag auf der Seite am Mittelstreifen der dreispurigen Autobahn. Es war Freitag - abend - rush hour. Im Nachhinein betrachtet war die Chance, nicht von einem der daherrasenden Sattelschlepper gerammt zu werden, genau bei Null. Wir hatten Glück. Sprangen vom Wrack auf die Straße und liefen wie die Hasen im Zickzack zwischen den Autos hindurch Richtung Pannenstreifen. Ich weiß noch, dass dort bereits die ersten Helfer auf uns warteten. In einem der wartenden Autos legte ich mich auf den Rücksitz. Irgendwann hörte ich die Rotoren eines Polizeihubschraubers und als ich wieder zu mir kam befand ich mich in einem Krankenwagen auf dem Weg ins Rosenheimer Spital. Martin saß neben mir. Auf meine erste Frage ob ich das Strohdach rotpunkt geklettert bin schaute er mich nur mit großen Augen an. „Alter" sagte er "du bist verdunstet wie ein Weltmeister".

Er erzählte, dass uns ein Auto mit einer Wahnsinnsgeschwindigkeit aufgefahren war und deshalb diese Höllenfahrt stattgefunden hatte. Mitten im Gespräch drängte sich eine dralle Krankenschwester ins Bild. Sie hielt ein Formular in Händen und forderte mich mit scharfer Stimme auf die Personalien bekanntzugeben.

Folgsam buchstabierte ich meinen Namen. Sie schrieb mit. Buchstabe für Buchstabe. Plötzlich hielt sie inne und wandte sich ihrem Kollegen zu. „Des könn ma für heut vergessen" sagte sie zu ihm. „Der hot jo a Gehirnerschütterung" Sie stierte auf ihr halb ausgefülltes Formular. „Jobstraibitzer" murmelte sie und schüttelte ungläubig den Kopf „So haßt kana"

Mich haben sie zur Beobachtung stationär aufgenommen. Martin hingegen wurde entlassen. Der Arme musste sich in einem nahegelegenen Gasthof ein Zimmer suchen und wurde in der Gaststube wegen seiner Halskrause von den Einheimischen auch noch ausgelacht.

Ich hatte Glück. Keine der Untersuchungen gab Anlass zur Sorge und am späten Vormittag wurde ich von einem Pfleger zu einer letzten Untersuchung abgeholt. Weil ich ja vom Unfallort direkt abgeholt worden bin, hatte ich keinerlei frische Kleidung dabei. Auch keine Socken. Als der Pfleger das sah, setzte er mich in einen Rollstuhl und schon waren wir draußen am Gang. Just in dem Moment bog Martin, mit Halskrause, um die Ecke um mich abzuholen. Als er uns sah, wurde er kreidebleich. „Querschnittlähmung?" fragte er ungläubig.

„Owa wo" tönte da der Pfleger im breitesten bayrischen Dialekt und zeigte dabei auf meine nackten Zehen „koane Potschn."

Horst Jobstraibitzer - so haßt kana!

​ CLIMBING.PLUS: Leute, wir sagens euch gleich, jetzt wird es HISTORISCH! Setzt euch in einen bequemen Sessel, macht euch ein Bier auf oder braut euch eine Tasse Tee denn dieses Interview ist anders als die Bisherigen. Es gibt immer noch Leute , die die Anfänge des Sport k lette r ns im Graz er Bergland mit erlebt haben . H eute haben wir...
https://climbing.plus/blog/horst-jobstraibitza
Carinthische Tage
Horst Jobstraibitzer - so haßt kana!
 

Kommentare

Bereits registriert? Hier einloggen
Der Blog wurde noch nicht kommentiert.
Sei der erste :)