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Die richtige Entscheidung

 Es ist schon einige Monate her...


Wir gehen in der Früh zum Auto und fahren voller Motivation Richtung Berg.



Kurz nachdem wir die Ortschaft auf einer Schotterpiste verlassen stehen wir vor einem Problem. Auf der Strasse liegen weit grössere Felsbrocken als wir es gewohnt sind. Wir laufen schnell 2-3 Kehren die Strasse hinauf, aber soweit wir sehen werden die Verhältnisse nicht besser.



Wir haben die Möglichkeit zu parken und rund fünfhundert zusätzliche Höhenmeter mit schwerem Gepäck zu gehen oder umzudrehen und einen Umweg von rund 20 Minuten in Kauf zu nehmen. 

Die Antwort war klar! Wir drehen also um und fahren den Berg von einer anderen Seite an.
Nach 20 Minuten im Auto stehen wir vor dem gleichen Problem, wieder ist die Strasse durchgehend aufgerissen.
Von hier aus ist ein Zustieg allerdings ausgeschlossen, das würde ewig dauern. Also fahren wir erneut 20 Minuten zur vorigen Strasse und gehen unterwegs alle Möglichkeiten durch wie wir am kräfteschonendsten zu unsrer Felswand kommen könnten.
Mittlerweile haben wir schon einiges an kostbarer Zeit verloren und für den Nachmittag ist Regen angesagt. Wenn wir jetzt zu Fuss gehen geht uns die Zeit aus, und unnötig viel Kraft würde wir ausserdem verbrauchen. Wenn unser Tagesziel erreicht werden soll muss der PickUp zeigen wofür er gebaut wurde. Wir legen den 4x4 und das kleine Getriebe ein, blasen die Luftfederung voll auf um mehr Bodenfreiheit zu bekommen und rollen vorsichtig in Schlangenlinie die Piste hinauf.



Öfters müssen wir aussteigen um zu grosse Blöcke auf die Seite zu rollen, der verstärkte Unterbodenschutz muss zwar trotzdem mehrfach seinen Zweck erfüllen, aber letztendlich klappt es und bald schon sind wir am Fels und können klettern.


Der Kollege steigt gerade eine anspruchsvolle Länge vor als die ersten Regentropfen auf unsere Helme klatschen. Mist, das Schlechtwetter ist früher, und wir später dran als geplant. Noch ist das aber kein Problem. Bis zum Ausstieg sind es vermutlich nur noch 3-4 Seillängen also keine Zeit verlieren und rauf!



Die nächste Seillänge ist zwar deutlich einfacher aber mit jedem Tropfen wird der Fels jetzt doch schon nass, ruhig bleiben und ohne trödeln hinauf!



Mittlerweile regnet es nun wirklich und es trennen uns noch immer zwei Längen vom Gipfelgrat.

An dieser Stelle müssen wir nun ernsthaft beratschlagen wie wir weiter vorgehen. Welche Möglichkeiten haben wir?

Ein langer und aufwändiger Rückzug (bis zum Einstieg hinunter sind es zwölf Seillängen) über eine Route die nicht fürs Abseilen gedacht ist?
Irgendwie versuchen in einfaches Gelände zu kommen um so eventuell irgendwie seitlich aus der Wand raus queren zu können?

Wir entscheiden uns dafür die Linie grob so einzuhalten wie es geplant war und die Wand nach oben hin kletternd zu verlassen.
Vorsichtig geht es die letzten Längen hinauf.


Letztendlich waren unsere Entscheidungen richtig und wir stehen zwar völlig durchnässt aber glücklich im Ausstieg unserer Route.



Und auch die Fahrt mit dem Auto klappt noch gut.


Hier noch ein kurzes Filmchen in dem man gut erkennen kann dass wir trotz suboptimalen Bedingungen den Spass an der Sache nicht verloren hatten :-)



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Freunde von uns, eine Locals-Seilschaft, entschieden sich an diesem Tag ihr Auto unten bei der Ortschaft zu parken und seilten dann bei Regenbeginn ab. Nachdem sie im Abstieg unser Auto sahen erkundigten sie sich gleich per Handy ob bei uns alles passt und wir dem Regen wohl entkommen wären...

Als wir dann im Abstieg an ihrem RückzugsRapideglied vorbeigingen kamen wir zur Überzeugung dass wir an ihrer Stelle sicherlich auch abgebrochen hätten.


Auch wenn ihre und unsere Situationen sehr ähnlich wirken und wir Luftlinie maximal 500Meter entfernt waren spielen trotzdem ganz andere Faktoren eine Rolle was sich dann eben in unterschiedlichen Entscheidung auswirkt.


Daher liebe Leute, auch wenn es uns allen oft nicht leicht fällt – urteilt bitte nicht über Entscheidungen anderer Personen wenn ihr nicht selbst dabei gewesen seid!


Erste freie Begehung an der Grübelwand mit der Alp...
„Dornröschenwandl"
 

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