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„Dornröschenwandl"

42741125_2026048487435058_1491871055067742208__20190909-103930_1 Dornröschenwandl, photo credit: Stefan Edlinger
Einen der letzten, herrlichen Tage des vergangenen Herbstes verbrachte ich mit Freunden am Dornröschenwandl im Hochschwabgebirge. Alles lief perfekt zusammen. Das Wetter, die Stimmung am Fels und die Routen in allerfeinstem Kalk. Bei dieser Gelegenheit entstanden dann auch eine ganze Reihe Fotos, von denen mir eines so gut gefiel, dass ich mich entschloss, es auf Facebook zu veröffentlichen.
In erster Linie ging es mir darum, die Stimmung dieses Moments rüberzubringen. Die Farben des Herbstes und die entspannte, chillige Situation am Fels. Ich stand im Schatten eines Strauches am Wandfuss und sicherte. Konzentriert behielt ich meinen Kollegen im Auge, der zwanzig Meter über mir gerade eine knifflige Stelle zu lösen hatte.
Kaum war das Foto online, wurde es postwendend kommentiert. Ein gewisser „Stonelover" (mit dem ich auf Fb übrigens gar nicht befreundet bin), aus der Gegend um Hannover, meldete sich als Erster zu Wort.
„Du stehst viel zu weit vom Wandfuss entfernt!" erklärte er mir. „So sichert man nicht!"
Er bemängelte noch eine ganze Reihe anderer Fehler und riet mir anschließend, zuallererst einmal den Eichhörnchenschein in einer der umliegenden Kletterhallen zu absolvieren.
Nun muss ich dazusagen, dass ich seit 1977 klettere und so ziemlich alle Stadien der jeweiligen Sicherungstechniken durchgemacht habe. (Ohne, dass auch nur ein einziges Mal etwas passiert ist).
Während ich also überlegte, was ich von den Vorwürfen halten sollte und ob ich dem Kollegen gleich eine giftige Antwort zukommen lassen, oder ob ich meinen Post am besten gleich als Ganzes löschen sollte, trudelten bereits weitere Antworten ein.
Die Einen machten mich auf die, ihrer Meinung nach, falsche Position meiner Bremshand am Grigri aufmerksam und kritisierten bei der Gelegenheit auch gleich noch die Auswahl meines Sicherungsgerätes.
Den anderen fiel auf, dass ich ohne Sicherungsbrille die Bewegungen meines Kletterpartners beobachtete. Auch das schien ein unverzeihlicher Fehler zu sein und es wäre eigentlich nur eine Frage der Zeit bis es zu einem ernsthaften Unfall kommen würde.

Vor allem aber stand ich ohne TÜV geprüftem Helm auf dem Kopf unter der Wand. Eine Kritik, die ich mir allerdings​ zu Herzen nahm, denn kurz nachdem mir auch das zum Vorwurf gemacht wurde, erstand ich ein Modell der neuesten Generation. Meinen weißen Galibierhelm, der mir bei so vielen alpinen Schlachten als treuer Begleiter auf dem Kopf gesessen war, gab ich schweren Herzens ins Ausgedinge. Obwohl das Teil, abgesehen von den vielen Kratzern, noch wirklich gut in Schuss zu sein schien. Aber mehr als fünfunddreissig Jahre haben bestimmt eine ordentliche Materialermüdung mit sich gebracht, die optisch von aussen nicht zu erkennen ist. 

Zudem bin ich wirklich sehr interessiert am neuesten Stand der Sicherungstechnik und ich lese mir alle dazu greifbaren Fachartikel aufmerksam durch. Ich mache mir da schon so meine Gedanken und ich kann auch (für mich) gut argumentieren warum ich das Grigri verwende. Jahrzehntelang diente mir ja der Abseilachter als treues Sicherungsgerät. Mit keinem anderen Teil konnte ich so perfekt dynamisch sichern aber die Gefahr, dass eines Tages einmal doch etwas schiefgeht ließ mich zu einem Halbautomaten greifen

Gegen den Vorwurf, ohne gültigen Eichhörnchenschein loszuziehen und damit meine Partner einer nicht kalkulierbaren Gefahr auszusetzen, setze ich mich allerdings ganz entschieden zur Wehr.

Zum Glück kann man am Foto mein Schuhwerk nicht sehen. Anstatt modischer Trekkingschuhe mit genormter und zertifizierter Profilsohle (die teurer sein dürften als die Hälfte meiner gesamten Ausrüstung zusammen), steckten meine nackten Zehen in verdammenswerten Birkenstocks.... 



Die richtige Entscheidung
Die Tücken von 6b
 

Kommentare 4

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Gerit am Montag, 09. September 2019 15:17

Das größte Risiko birgt wahrscheinlich deine Schuhwahl.

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Das größte Risiko birgt wahrscheinlich deine Schuhwahl. :D
Heimo Mihok am Montag, 09. September 2019 17:00

Und deine Entscheidung war dann das Foto im Facebook zu löschen?

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Und deine Entscheidung war dann das Foto im Facebook zu löschen?
nixtuer am Dienstag, 10. September 2019 12:43

das spannende an der sache ist dass die 'besserwisser' in den meisten fällen ihr halbwissen nur auswendig gelernt haben und nicht in der lage sind zu verstehen warum jemand etwas so macht wir er es macht...

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das spannende an der sache ist dass die 'besserwisser' in den meisten fällen ihr halbwissen nur auswendig gelernt haben und nicht in der lage sind zu verstehen warum jemand etwas so macht wir er es macht...
Horst Jobstraibitzer am Dienstag, 10. September 2019 13:08

Das ist wohl des Pudels Kern...

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Das ist wohl des Pudels Kern...