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Epic Fails

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Irmgard hat mir in „Die Tücken von 6a+" ein Stichwort gegeben. Es kam in meiner Laufbahn öfters vor, dass man in einer Route weit unter seinem Höchstleistungsniveau stürzte. Die drei besten Epic fails möchte ich beschreiben, wobei für die Wertung die Fallhöhe (also die Differenz zwischen dem höchsten gekletterten Schwierigkeitsgrad und der Schwierigkeit der nicht geschafften Route) mit  von mir subjektiv vergebenen Bonuspunkten multipliziert wurde.

Val di Mello

Der dritte Platz geht an mich. Erstens ist eine Fallhöhe von 8b auf 6b nicht von schlechten Eltern und zweitens gibt es Zusatzpunkte, weil es sich eben um mich handelt.

In meiner ungestümen Art kletterte ich im Val di Mello in einer 6b-Platte munter drauf los und kletterte und kletterte, schaute nicht so recht nach unten, weil es sich gerade so gut kletterte und dreißig Zentimeter vor dem nächsten Haken und rund 8 Meter über den letzten Haken war Endstation. Der nächste Haken war kaum eine Armlänge entfernt, aber er hätte genauso gut am Mond sein können. Ich kam nicht hin. Ein Rückzug? Unmöglich. Eine 6b-Platte abklettern – keine Chance. Was tun? Am besten: NICHTS! Denn rund 100 Meter über mir sah ich eine Seilschaft, die sich gerade über die Route abseilte. Die nächste halbe Stunde verbrachte ich also auf meinen beiden Reibungstritten – Griffe gab es keine- mit einer seltsamen Routine: linker Fuß entlasten, rechter Fuß entlasten und dabei immer denken: Wenn ich jetzt doch von den Tritten abrutsche, denn rasch umdrehen und mit dem Gesicht nach unten so lange als möglich die Platte runterlaufen. Als mein unbekannter Lebensretter dann bei mir vorbeikam, hatte ich die Expressschlinge schon griffbereit:" Would you be so kind and clip the next bolt for me?", was er auch ohne zu Zögern tat.

Nachdem ich meine Geschichte zu Ende erzählt habe, fällt mir auf, dass es sich hierbei um gar keinen Fail handelt. Genaugenommen war es sogar eine lupenreine Onsightbegehung, die nur ein wenig länger dauerte als üblich.

Nordwestverschneidung Mixnitzer Boulderraum

Wenn man meine Abenteuer genau analysiert, bemerkt man, dass ich rund alle fünf Jahre einer schweren Verletzung knapp entrann und einmal eben nicht. Ich halte mich deswegen für keinen großen Draufgänger und ich bin praktisch nie seilfrei geklettert. Der Grund dafür ist E., der in diesem Blog bereits oft erwähnte Zweitbegeher von Zeitgeist, der es in seinem Leben zu so mancher alpinen Heldentat brachte und als Spitzenleistung 8b+ kletterte. Mathematisch betrachtet hat er die größte Fallhöhe in diesem Blog absolviert. Er stürzte nämlich in der rechten Nordwestverschneidung des Mixnitzer Kletterraums, die man hoch klettern musste, wenn man einen Riegel lösen wollte, um die Neigung der Boulderwand zu verstellen. Ich schätze die Schwierigkeit auf 1+/2-. Sei es wie es sei: E. rutschte aus, fiel runter und prellte sich das Fersenbein gewaltig und ich dachte mir, wenn sogar E. irgendwann ein Missgeschick passiert, dann sollte ich das seilfreie Klettern lieber bleiben lassen.

Obere Arena

E2. war in K. alles geklettert, was es dort zu klettern gab, inklusive der 8b+/c und ich war dabei, wie er am Ende eines erfolgreichen Tages noch fünfmal den Ausdauerhammer „Dopingsünder" (8a) hintereinander kletterte. Er wollte sich auch einmal in der Arena versuchen und besuchte uns. Kein Gramm Fett schmückte seinen Körper. E2. wog 53 Kilo bei einer Körpergröße von einen Meter siebzig und ernährte sich -pro Tag - von zwei Kartoffeln, die er zusammen mit einer Banane in etwas Topfen zerquetschte. Der Apres-Climb im Waldheim oder später beim Zollner war etwas eigenartig. Er bestellte zwar- das sei zu seiner Ehre gesagt- ein kleines Bier, aber nur in Ausnahmesituationen noch eine Pizza Margarita ohne Käse und Schinken oder einen Salat ohne Essig und Öl...

Ich kletterte also meine Aufwärmroute in der oberen Arena. Die Schlüsselstelle: links auf eine senkrechte Leiste greifen, die rechte Hand auf Untergriff drehen, den linken Fuß in die Wand stellen oder auch nicht, weil es sowieso wurscht ist und man in einer 6a+ nicht runterfällt und dann rauf zum Henkelchen.

E2. stieg ebenfalls in die Route ein und ich schwöre euch: Er hatte keine Chance und verhungerte in der Schlüsselstelle gnadenlos. Irgendwann ließ ich ihn entnervt ab. „Es tut mir leid, dass ich dich in diese Route gehetzt habe", sagte ich zu ihm. „Ich hätte wissen müssen, dass du sie nie im Leben wirst klettern können. Eine Route mit dem Namen MOLLIG IST SCHÖN kannst du einfach nicht raufkommen!"


P.S. Im „Phallus Dei" schaute dann die Sache schon ganz anders aus.

P.P.S.  Zum Blogcover: Kein Epic Fail sondern ein wunderschöner Onsight in "Polnocni Cowboj (7c)".

Schachzermatt
Diebstahl am Berg
 

Kommentare 3

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Horst Jobstraibitzer am Freitag, 04. Oktober 2019 19:25

Wieder einmal ein Blog aus der guten alten Zeit. Ich hab mich köstlich amüsiert und nachdem ich auch ein alter Ratefuchs bin, habe ich die Herausforderung wer denn nun E2 ist, gerne angenommen. Natürlich bin ich nach kurzem Nachdenken auch gleich dahintergekommen zumal ich E2 damals im Phallus zusehen konnte. Schade, dass mir sein Auftritt im Mollig entgangen ist.

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Wieder einmal ein Blog aus der guten alten Zeit. Ich hab mich köstlich amüsiert und nachdem ich auch ein alter Ratefuchs bin, habe ich die Herausforderung wer denn nun E2 ist, gerne angenommen. Natürlich bin ich nach kurzem Nachdenken auch gleich dahintergekommen zumal ich E2 damals im Phallus zusehen konnte. Schade, dass mir sein Auftritt im Mollig entgangen ist.
Bernhard Lechner am Freitag, 04. Oktober 2019 21:44

Noch ein Hinweis zu E2: die Route "Dopingsünder" wurde sogar ihm zu Ehren so benannt.

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Noch ein Hinweis zu E2: die Route "Dopingsünder" wurde sogar ihm zu Ehren so benannt.
Bernhard Lechner am Sonntag, 06. Oktober 2019 20:05

Da wird der alte Ratefuchs mit mir und meinem nächsten Werk, das bereits fertig auf der Festplatte herumlungert und nur darauf wartet, auf die Menschheit losgelassen zu werden, aber seine große Freude haben. Da wurlt es nur so von X.Y.s und es handelt davon, unter welchen -teilweise kuriosen- Umständen mir regionale und internationale Klettergrößen begegnet sind.
Beim übernächsten Text bin ich gespannt wie ein Pfitschipfeil. Die dazugehörige Hardware ist bereits in der Duschwand im blochouse installiert und morgen Mittag tausche ich die Infrarotfernbedienung gegen zwei robuste Drehschalter aus - The TechnoBoulderChallenge.
Und ob die alten Zeiten wirklich so gut waren, werde ich mir demnächst auch überlegen, denke ich.

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Da wird der alte Ratefuchs mit mir und meinem nächsten Werk, das bereits fertig auf der Festplatte herumlungert und nur darauf wartet, auf die Menschheit losgelassen zu werden, aber seine große Freude haben. Da wurlt es nur so von X.Y.s und es handelt davon, unter welchen -teilweise kuriosen- Umständen mir regionale und internationale Klettergrößen begegnet sind. Beim übernächsten Text bin ich gespannt wie ein Pfitschipfeil. Die dazugehörige Hardware ist bereits in der Duschwand im blochouse installiert und morgen Mittag tausche ich die Infrarotfernbedienung gegen zwei robuste Drehschalter aus - The TechnoBoulderChallenge. Und ob die alten Zeiten wirklich so gut waren, werde ich mir demnächst auch überlegen, denke ich.