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GBL History – „Die Besucher (Les Visiteurs)“.

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Ich erkannte Gerhard Hörhager sofort. Er kam in der Peggauer Höhle auf mich zu und streckte mir seine Hand entgegen. „Gerhard" stellte er sich vor. „Hallo".

Gerhard berührte ein paar Griffe vom Boden aus und versuchte einzelne Züge. Dann setzte er sich auf sein Crashpad, atmete einmal tief durch und hob ab. Der erste Versuch ging knapp daneben. Der Nächste, ein paar Minuten später, war erfolgreich. Für den Durchstieg des Christoph Grill Boulders „Bruders des kleinen Nichts SD" benötigte er insgesamt lediglich ein paar Minuten. Ich war zutiefst beeindruckt. Noch mehr beeindruckte mich jedoch sein nettes, freundliches Wesen und seine völlig unkomplizierte Art.

Mit ihm in die Peggauer Höhle mitgekommen war Much Mayr, den ich schon von seinen Arenabesuchen her kannte. Er war der Erste der „Train and Terror" onsightete, aber an diesem Nachmittag hielt ihn eine Fingerverletzung davon ab, es Gerhard gleichzutun.

Die Beiden waren nicht die Ersten gewesen die man aus Klettermagazinen und von Filmen her kannte und die dem Grazer Bergland einen Besuch abstatteten.

Klem Loskot zum Beispiel hinterließ bei jedem seiner Besuche eine ganze Reihe von Meilensteinen. Ob das nun „Begrabt die Wölfe in der Schlucht" am Dumpfbackenblick war, oder „Free Engelbert" am Sprungblock in Radegund. Oder auch die „Delikatessen" an der Huatluckn. Diesmal war er mit Seil unterwegs und auch diesmal war es so ziemlich das Schwerste weit und breit.

Die, leider vor ein paar Jahren an einem Krebsleiden verstorbene, Münchnerin Marietta Uhden war weltweit die erste Frau, die eine Route im elften Grad erstbegehen konnte. Im Grazer Bergland war sie die erste Frau die Thomas Hrovat`s „Zeitgeist" kletterte.

Die Slowenin Martina Cufar, Europameisterin im Lead 2000, machte es ihr 2009 im „Zeitgeist" nach.

Überhaupt scheint die Arena eine interessante Destination für Weltklassekletterinnen sein.

Sowohl Johanna Ernst, die jüngste Europa- und Kletterweltmeisterin aller Zeiten, als auch die Südtirolerin Angelika Rainer, zweifache Eiskletterweltcup Gesamtsiegerin statteten ihr Kurzbesuche ab und kletterten dabei „Down under".

Die gebürtige Steirerin Barbara Raudner, bekannt als erste Österreicherin die eine Route im elften Grad klettern konnte, fühlt sich im Bärenschütztal besonders wohl und ist im „Zeitgeist" und im „Trainingswahnsinn" bereits erfolgreich zur Umlenkung durchgestiegen. Dass dies bei weitem nicht alles gewesen sein wird, werden wir in den nächsten Jahren bestimmt noch erleben.

Kilian Fischhuber, der erfolgreichste Wettkampfboulderer aller Zeiten, onsightete „Down under" und scheiterte mit seinem onsight Versuch am „Zeitgeist" nur äußerst knapp am Aufleger unter dem Rasthenkel. Das, nachdem er die härtesten Passagen bereits im besten aller Stile hinter sich gebracht hatte.

Den ersten Flash am „Zeitgeist" darf sich übrigens die bayrische Sportkletterlegende Alexander Huber an seine Fahne heften.

Am „Zeitgeist" erfolgreich war auch der siebenmalige Staatsmeister Stefan Fürst aus Tirol.

Gea Franklin aus den USA, die durch ihren Stunt am Beginn des Silvester Stallone Kassenschlagers „Cliffhanger" berühmt wurde, war überhaupt die erste Frau, die im GBL den neunten Grad kletterte. Mitte der achtziger Jahre punktete sie „Ubijubi" an der Kugelsteinbasis.

Der Slowene Jernej Kruder, Zweitbegeher der Mallorca deep water solo Kingline „Es Pontas" besucht das Grazer Bergland seit Jahren immer wieder und wiederholt hier eine harte Route nach der anderen.

Ebenso wie Jernej stammt auch Marko Lukic aus Slowenien und ebenso wie er, machte er sich bei seinen Besuchen gleich einmal an die schwierigsten Routen. Bei den allermeisten 8b`s von Robert Kerneza in der hinteren Arena war er in den achtziger Jahren unter den ersten Wiederholern. Bekannt wurde er durch eine frühe Begehung der, zu dieser Zeit schwierigsten, USA Route „Just do it" in den Smith Rocks. Einzig bei Much Matlschwaigers „Small Change" biss sich Marko die Zähne aus.

Mit zwei der härtesten Erstbegehungen im Grazer Bergland beschenkte uns der Südtiroler Martin Riegler. Mit „Maximus" in der hinteren Arena befreite er eine, seit vielen Jahren, eingebohrte Linie aus ihrem Projektstatus und an der Rannerwand eröffnete er clean den Psychohammer „Drachenblut". Diese Tour zählt nun gemeinsam mit den gefürchteten Routen vom Brüderpaar Ernst und Roman Gruber zu den anspruchsvollsten MSL Unternehmungen des Berglandes

Die Schweizer Sportkletterlegende Pesche Wüthrich, besuchte während einer Promotion Tour für Mammut das Zigeunerloch und war in Gräfin Mariza erfolgreich.

Ein Besucher, der mir ganz besonders am Herzen liegt, ist der blondgelockte, stets „vui chüllige", Sunnyboy Mich Kemeter. Ich kann mich noch gut erinnern, als er mir erzählte, sein Ziel wäre es irgendwann einmal 8a zu klettern. Mittlerweile macht er das ohne Seil und er bescherte dem Grazer Bergland bereits mehrere Free solo Begehungen in diesem Grad. "Soulfly" an der Huatluckn und die Routen „Bruchheinzi" und „Mandala" an der Peggauer Wand sind die schwierigsten Routen, die bei uns jemals in diesem kompromisslosesten aller Kletterstile begangen wurden. Zum Glück war ich da als Zuseher nie dabei.

Das hier ist jetzt nur ein kurzer Auszug, den ich aus meinen Erinnerungen heraus geschrieben habe. Aber ich finde, dass es ein weiteres Mosaiksteinchen zur Kletterchronik des Grazer Berglandes ist und es wäre genial wenn die Leser hier all das ergänzen würden, was ich vergessen, verdrängt oder erst gar nicht zur Kenntnis genommen habe.

R.E.D. – (retired extremely dangerous)
Soviel zum Thema Fußtechnik
 

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