Muztagata - ein Highlineprojekt auf 5000 m Seehöhe

Muztagata - ein Highlineprojekt auf 5000 m Seehöhe

Der Muztagata ist mit 7546 m Seehöhe der zweithöchste Berg im Pamirgebirge im Westen Chinas. Im Juni 2012 schlossen sich die Slackliner Armin Holzer und Alessandro d’Emilia vier Südtirolern an, um den Berg mit Skiern zu besteigen. Wie sollte es auch anders sein, hatten die beiden eine Slackline mit im Gepäck.

Dass eine solche Expedition nicht gerade einfach ist, spürten sie bereits bei der mehrtägigen Anreise ins Basislager, welche sie über Abu Dhabi und Islamabad (Pakistan) nach China führte. Doch trotz der Strapazen passte die Stimmung und schon unterwegs wurde die Zeit immer wieder zum Slacklinen genutzt. Hierbei kam es zu spannenden und schönen Begegnungen mit der Einheimischen Bevölkerung, welche noch nie zuvor vom Slacklinen hörte.

Nach der fünftägigen Fahrt auf dem Karakorum Highway, die sich mehr wie eine fahrt in einem kleinen Boot bei hohem Seegang anfühlte, wurde endlich der Karakol Lake in der Chinesischen Provinz Xinjinang erreicht. Hier am See in 3600 m Seehöhe und unter dem gewaltigen Panorama des Muztagh Ata konnten die Jungs erste Eindrücke auf einer Slackline in größer Seehöhe gewinnen. Alessandro dazu: "Schon dort spürte man die Höhe und ich merkte, dass das Laufen auf der Slackline einen anderen Modus als den sonstigen benötigte. Die ansonsten fundamentale Atmung beim Slacklinen wurde auf einmal noch wichtiger, schon hier auf 3600 m neue Erfahrungen in Hülle und Fülle."

Mit diesem Flow in ihnen, stieg das Team weiter auf ins Basislager auf 4350 m. Nach gemütlichem Einrichten und Akklimatisieren bekamen aber beide Slackliner die Tücken der dünnen Luft zu spüren: so hatten sie mit Übelkeit und Schwindel zu kämpfen. Dennoch mussten die Lager 1 und 2 auf 5350 m und 6200 m eingerichtet werden. Auch dies verlief nicht ganz unproblematisch, denn eine Schlechtwetterfront zwang sie zu einer viertägigen Pause. Unter diesen Widrigkeiten beschlossen Armin und Ale den Gipfel erst gar nicht zu erstürmen, sondern sich ganz auf das Projekt "Slackline" zu konzentrieren.

Armin und Ale halfen den anderen noch das Equipment ins Lager 2 auf 6200 m zu schleppen. In der Zwischenzeit hatten sie auch im Lager 1 auf 5350 m schon die Slackline gespannt. Dies war wohl eine der auf dieser Seehöhe höchsten jemals begangenen Slacklines. Und damit stieg auch die Motivation wieder.

Während der Rest der Truppe sich nun aufmachte, den Gipfel des Muztagh Ata zu erklimmen, fuhren Armin und Ale wieder ab auf etwa 5000 m. Dort wurde auch schon der optimale Highlinespot ausgekundschaftet. Nach Errichtung ihres Highline-Camps und einer erholsamen Nacht, galt es den markanten Felspfeiler, den sie als Ankerpunkt auserkoren hatten, zu erklimmen. Obwohl die Jungs den brüchigen Fels des Drei Zinnen Gebietes kennen, war dies eine weitere Herausforderung, denn der Fels hier war noch brüchiger. Aber auch dieses Problem wurde bewältigt. Doch auf der gegenüberliegenden Seite wartete bereits die nächste Schwierigkeit: ein flacher Platz mit Schnee ohne Ende und keiner Chance, einen Anker zu setzen.

In einer Pause klären sich oft die Gedanken und so war es auch in diesem Fall. Nach Tee und Trockenfrüchten wurden Ski und Skistöcke herangezogen, um aus ihnen auf 15 Metern mit "toten Männern" einen Stand zu bauen. Da das Arbeiten in diesen Höhen sehr anstrengend ist, wurde der Aufbau der Highline unter großen Mühen erst gegen Abend geschafft. So konnte in der Nacht der Schnee des Standes noch durchfrieren, was noch mehr Sicherheit bot.

Ergebnis der Schinderei: eine 20 m Highline auf 4950 m Seehöhe, 150 m über der Kmatolja Gletscherzunge. Erschöpft, aber von den Emotionen überwältigt, genossen Armin und Ale einen wundervollen Sonnenuntergang, der für vieles an Strapazen entschädigte.

Am nächsten Morgen, etwas windig und noch kälter als die Tage zuvor, gestärkt durchs Frühstück, ging es auf die Highline. Armin: "Ich ging als erster auf die Line, und schon das bloße Sitzen auf dem roten Band brachte mein Gehirn durcheinander. Ich wurde nervös, startete aber los. Ich kam nicht weit und musste mich an der Line fangen, was für eine Anspannung... Ich blickte zurück zu Ale und dieser sagte, dass es ja nur eine kurze Slackline sei. Genau das habe ich vorher auch gedacht und musste dann anfangen zu lachen. Tief einatmen, konzentrieren und los geht´s.
Die Line fühlte sich gut an, der kalte Wind wehte mir ins Gesicht und die Kälte drang in meine Zehen ein. Schritt für Schritt ging ich über den Abgrund und kam am Felspfeiler an. Ich war außer Atem, die Lungen brannten, aber ich blieb ruhig und ging die Line sofort wieder zurück. Am Ende der Line wurde das Atmen immer schwerer, aber ich kam ohne zu Stürzen am Ende an, riss die Hände hoch und fiel auf die Knie."

Ale gelang die Line auf Anhieb zum Pfeiler. Nach einer kurzen Pause auf diesem, ging er sie auch ohne zu stürzen wieder zurück! Geschafft! Die wahrscheinlich höchstgelegene Highline der Welt war geknackt. Ausgezehrt von den Strapazen machten die beiden eine Pause. Tee und Trockenfrüchte. Zu diesem besonderen Moment gesellte sich plötzlich ein besonderer Gast: ein Adler zog über den Jungs seine Kreise. Dieses Erlebnis war auch ausschlaggebend für die Namensgebung dieser einmaligen Highline: Weißer Adler. Sie begingen die Highline noch einige Male.

Doch dann hieß es nach vier Tagen in der Höhe abbauen und zurück ins Basislager. Sie kosteten ihren Erfolg und die damit verbundenen Emotionen voll aus, mussten aber feststellen, dass mit unserem Geschmack chinesisches Bier dazu nicht besonders geeignet ist.

Mit traumhaften Erlebnissen und Bildern in ihren Köpfen machten sie sich wieder auf dem Heimweg.

Armin Holzer, geb. 16.08.1987, Athlet bei Nordica Skis, Skilehrer, Mitglied der Bergrettung Sexten, auch bekannt durch das Highlineprojekt gemeinsam mit Reinhard Kleindl auf den Drei Zinnen.
Alessandro (Ale) d'Emilia, geb. 10.09.1988, Skilehrer, Mitglied der Bergrettung Auronzo

Ort (Karte)

über sinn und unsinn des definierens.
Klettern auf Teneriffa - Spanien
 

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