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3 Minuten Lesezeit (580 Wörter)

„Patxi Usobiaga in der Arena“

HRPH-9629

 „I´m totally destroyed" sagt Patxi Usobiaga.

Sein zweiter Versuch, die Route „Small Change (8b+)" in der hinteren Arena zu durchsteigen, endet dort, wo es niemand mehr erwartet. Wenige Züge unter der Umlenkung, direkt beim letzten Haken, rutscht ihm der Fuß weg.

„Er habe sich die Stelle beim ersten Versuch wohl zu wenig genau angeschaut", meint er. Nichtsdestotrotz sei es eine grandiose Route. Ein wenig poliert zwar schon, aber toll zu klettern.

Luki Schreilechner, dem kurz zuvor eine der wenigen Begehungen dieser Route gelungen war, sicherte Patxi und versorgte ihn mit Betas. Der Baske aber löste die Schlüsselstelle dann doch ganz anders.

Eine Stunde zuvor waren die Rollen noch andersrum verteilt. Luki stieg in „Small Change" ein und der spanische Superstar sicherte ihn. Konzentriert verfolgte er jede Bewegung Lukis und feuerte ihn an, wenn er es für nötig hielt.

„Venga, Venga!"

Patxi hat in den Tagen zuvor einen Workshop in einer Wiener Boulderhalle abgehalten und nun nutzt er den freien Tag, vor der Weiterreise nach München, um mit Barbara und Hannes Raudner zu klettern.

Nachdem Babsi gerade die Zehnerroute „Phallus Dei" in der hinteren Arena projektiert, war ihr gemeinsames Ziel rasch gefunden. Die Drei kennen sich von den vielen Aufenthalten des Ehepaares Raudner in Spanien und sind schon viele Male gemeinsam geklettert.

Auf einen Versuch in „Phallus Dei" verzichtet Patxi. Er habe Probleme mit seinem Rücken, erzählt er, und er würde lieber weniger steile Routen versuchen. Der schlanke Pfeiler, über den „Bigtime" verläuft, würde ihm schon sehr ins Auge stechen. Die Route, 1989 von Robert Kerneza erstbegangen, gehört zu den ganz großen Arenaklassikern und bietet eine kleingriffige, sehr technische und verglichen mit Babsis aktuellem Projekt, weniger steile Kletterei.

Sein Flashversuch aber endet, trotz Lukis Unterstützung, bereits an der ersten Schlüsselstelle. Während er versucht den Moves auf die Schliche zu kommen, ist wenige Meter weiter rechts ein anderer Protagonist der hinteren Arena erfolgreich.

Andi Matuska gelingt es an diesem Herbstnachmittag als Erstem die überhängende Kante, welche vom Ende der Route „Down Under" nach oben zieht, rotpunkt zu klettern. Eingebohrt von Michi Nedetzky war diese offensichtliche Linie eines der letzten großen, offenen Projekte in der hinteren Arena. Ein Routenname war Andi nach der Durchsteigung nicht zu entlocken, nur dass die Schwierigkeit wohl im 8c Bereich liegen könnte.

Patxi Usobiaga genießt offensichtlich die lockere, angenehme Atmosphäre im roten Arenastaub und erzählt von seiner kleinen Familie in Spanien und dass er seinem Schützling Adam Ondra, dessen Coach er ist, gerne einen Besuch in der Arena empfehlen könne. Da gäbe es bestimmt einige attraktive Routen für den aktuell besten Kletterer der Welt, da könne er sich schon ein Wochenende lang damit beschäftigen.

Der sympathische und bescheidene Spanier aber gehört selbst zur Riege der Allerbesten im Klettersport.

Er war der erste Mensch, dem es gelang eine 8c+ Route (Bizi Euskaraz) on sight zu klettern.

Während seiner Wettkampfkarriere wurde er zweimal Weltcupgesamtsieger, einmal Weltmeister zweimal Vizeweltmeister.

Ein schwerer Autounfall beendete 2011 seine weitere Karriere abrupt. Drei Jahre lang ging Patxi nach seiner Genesung ausschließlich zum Surfen, bis er wieder mit dem Klettern begann. Im Vorjahr schließlich befand er sich wieder in Topform und ihm gelang die 9a+ Route „Papichulo" im spanischen Klettergebiet Oliana.

Kein Klettertag im Bärenschütztal ohne abschließende Einkehr beim Hubert und dessen Jausenstation!

Der angenehme, wunderschöne Herbstklettertag wird, wie üblich, bei einigen Bieren und angeregten Fachsimpeleien in seinem Gastgarten beschlossen.

Zum Abschied schüttelt Patxi Hubert die Hand und fragt ihn „are you a Climber too?"

„Yes!" grinst der hünenhafte Wirt über das ganze Gesicht und erzählt, dass er schon zwei Routen geklettert sei. Und jedes Mal wurde ihm Talent bescheinigt.

"Small Change" photo credit: Hannes Raudner
Kompaktpfeiler 1983
Hanns Schell`s Worte zum Gedenken an Franz Horich.
 

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