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Rückzug!

Untere Dullwitz, Wetterlage "naja"...

Es ist Mitte August 2019, Christoph und ich haben den 23. und 24. für unseren Kletterausflug fixiert. Am Programm steht die Hochschwab Südwand, wir haben uns für den großen Klassiker Himmelsleiter entschieden, aber auch Topos von Günther- und St. Ilgnerweg im Gepäck. Wir wollen das Ganze mit einer Übernachtung auf der Voisthalerhütte kombinieren, alles ganz entspannt. Christoph ist die Himmelsleiter schon mal geklettert, alle Seillänge vorgestiegen und ist topmotiviert. Für mich bzw. meine Kletterkarriere hat der Hochschwab auch eine besondere Bedeutung. Auf der Rauchtalplatte bin ich ziemlich genau vor einem Jahr meine erste Mehrseillängentour geklettert, zwei Seilschaften mit jeweils einem Anfänger (ich) bzw. einer Anfängerin (Elisabeth) und mit Wolfi und Christoph als erfahrene „Mentoren". Von da an war in mir das Mehrseillängen-Feuer entfacht, ein absolut tolles Erlebnis. Aber gut, wieder zurück ins Hier und Jetzt. Es ist Freitagmittag, wir essen noch schnell gemeinsam in der Firmenkantine und machen uns dann auf den Weg nach Kapfenberg. Von dort geht es mit einem Auto weiter Richtung Seeberg. Immer wenn ich als gebürtiger Mürztaler ins Aflenzer Becken komme stellt sich ein wohliges und zufriedenes Gefühl ein. Einfach schön ist es hier! Wir fahren auf der Forststraße bis zum Parkplatz Dullwitz, teilen unser Material auf und los geht's. Fast. Christoph hat seine Topos im Auto in Kapfenberg vergessen, aber alles halb so schlimm. Also geht's los. Fast. Die Sohlen von Christophs Bergschuhe kommen mir irgendwie komisch vor. „Duuuu schau mal, ist da ein Riss in der Sohle?!" „Hm, ja stimmt na sowas deppertes! Geh Scheisse!" Wir erkennen, dass Christophs Treter sich nahe an der Grenze zur Auflösung befinden. Haben ja auch die letzten 12 Jahre guten Dienst geleistet, aber das Trocknen in der Sonne vor ein paar Tagen dürfte ihnen den Rest gegeben haben. Naja, rein mit den Straßenschuhen in den Rucksack, Tape haben wir auch genug dabei. Also geht's los. Wir marschieren in die wolkenverhangene Untere Dullwitz. „Wird scho besser werden, das Wetter!" „Klor, morgen wird's sicher ausfreissen!".

 Vor der Florlhütte müssen wir Christophs Schuhe zum ersten Mal mit Tape versorgen, aber wir kommen trotzdem gut voran. Nach zwei weiteren Klebestopps kommt uns kurz unter der Voisthalerhütte die neue Hüttenwirtin Lisi entgegen. Sogleich werden wir nach unseren kulinarischen Vorlieben befragt („Es gibt indische Fleischbällchen!"), Christophs Schuhe werden kritisch beäugt. Kleber gibt's auf der Hütte keinen, aber das Tape wird's schon tun. Gute 10 Minuten später sitzen wird bei einem wohlverdienten Gösser auf der Terrasse der Voisthaler.

Tape it!
Voisthalerhütte, Prost!

Viel ist nicht los, ein paar Wanderer auf der Terrasse, ein paar drinnen. Gut für uns, das heißt mehr Platz im Lager! Für's nächste Bier wechseln wir auch in die Hütte, es wird recht rasch kühl. Statt den indischen Fleischbällchen gibt's für Christoph und mich ganz klassisch Selchwürstel mit Senf und Krenn, sehr wohlschmeckend! Wir beschließen morgen nicht die Himmelsleiter sondern den sanierten Güntherweg zu klettern. Lisi gesellt sich kurz zu uns, wir plaudern ein wenig über die Hütte, den geplanten Neubau und drei Biere später geht's dann auch schon rauf ins Lager. Wir teilen uns die ca. 30 Plätze mit einem ungarischen Paar das auf der letzten Etappe ihrer Hochschwabüberschreitung ist. Noch ein Blick aus dem Fenster, die Wetterlage hat sich leider nicht gebessert, und ab in den Hüttenschlafsack. Am nächsten Morgen starte ich gleich wieder zum Fenster, und irgendwie macht sich ein wenig Enttäuschung in mir breit. Nebel und Wolken. Und Wolken. Und Nebel. Naja, wir frühstücken erst einmal, sortieren etwas Zeug aus das wir bei der Hütte lassen und bezahlen. Das neue Hüttenwirte-Team ist wirklich sehr sympathisch und bemüht! Dann brechen wir auf. Fast. Christophs Schuhe benötigen noch ein neues Tapegerüst. Mittlerweile sieht Christoph aus als wär er mit zwei Gipsfüßen unterwegs, von dem braunen Leder seiner Bergschuhe ist nicht mehr allzu viel zu sehen!  

Aufbruch! Von der Voisthalerhütte geht's Richtung Trawiessattel.

Wir marschieren von der Voisthalerhütte los in Richtung Trawiessattel. Unsere Hoffnung auf besseres Wetter erfüllt sich leider nicht, Nebel und Wolken begleiten uns. In der Oberen Dullwitz sind schon viele Wanderer unterwegs, aber fast noch mehr Steinböcke. Wir treffen ein Paar das auch auf dem Weg Richtung Südwand bzw. Himmelsleiter ist. Wir gehen ein Stück gemeinsam und fachsimpeln über den Hochschwab und das Wetter, die zwei sind aber recht flott und haben uns bald abgehängt. Nach etwas mehr als einer Stunde stehen wir am Trawiesattel, jetzt sollten wir eigentlich direkt die Südwand vor uns haben. Soweit die Theorie. Wir sehen allerdings nur Nebel. Viel Nebel und Wolken. Eigentlich haben wir während des Zustiegs schon besprochen, dass wir die Kletterei eher sein lassen werden und stattdessen über den Graf Meransteing auf den Gipfel gehen könnten. Aber auch diese Alternative schlagen wir uns recht schnell aus dem Kopf. Christophs Schuhe tun mehr schlecht als Recht, es wird zunehmend windiger und plötzlich spüre ich die ersten Tropfen. Also gut, das wars. Rein in die Hardshell und runter vom Berg. Echt schade, aber es wäre total sinnlos und gefährlich bei diesem Wetter einzusteigen. Wir sehen ja die Südwand nicht einmal.

Trawiessattel im Nebel.
Abstieg, es beginnt zu Regnen.

Wenigstens der Regen ist schnell weder vorbei. Beim Abstieg vom Trawiessattel erzählt mir Christoph von seinen doch zahlreichen Klettertouren und Abbrüchen wegen Schlechtwetter. Manchmal passt's halt einfach nicht. Wir versichern uns gegenseitig dass wir genau die richtige Entscheidung getroffen haben, auch wenn wir beide immer wieder hoffnungsvoll über die Schulter zurück blicken. Vielleicht kommt ja doch die Sonne durch! Fehlanzeige. Ich schlage noch vor, die Waiblkante auf den Edelspitzen zu klettern, der Einstieg ist von der Voisthaler nur 20 Minuten entfernt. Wieder zurück bei der Hütte und nach einem Kaffee beschließen wir aber auch darauf zu verzichten. Der Nebel ist hartnäckig und die Zeit schon recht fortgeschritten. Ausserdem ist uns die Lust irgendwie vergangen. Wir tratschen noch ein bisschen mit drei Jägern die ein totes Murmeltier im Rucksack mit herumschleppen. Hm, ganz anfreunden werde ich mich den Hutträgern in grün wohl nie. Naja. Mit Lisi vereinbaren wir noch bei besserem Wetter wiederzukommen, dann geht's auch schon wieder durch die Untere Dullwitz hinunter. Ein ziemlicher Hatscher, der Aufstieg am Vortag kam uns deutlich kürzer vor. Aber da hatten wir ja auch noch die Südwand als Ziel im Kopf.

Abstieg durch die Untere Dullwitz.

Es zieht nochmal richtig zu, ein Regenguss begleitet uns auf dem letzten Kilometer. „Michi des hamma genau richtig gemacht!" „Stimmt, das wär echt nicht so ohne geworden, passt scho so!" Christophs Schuhe liegen in den letzten Zügen, aber sie halten tapfer bis zum Auto durch. Wir schmeißen das ganze nasse Zeug ins Auto, ziehen uns um und düsen nach Kapfenberg. Aber zu viert, wir nehmen noch ein Vater-Tochter Gespann mit, die eine dreitägige Hochschwab-Wanderung hinter sich haben und überglücklich über die Mitfahrgelegenheit sind. In Kapfenberg gibt's noch eine Pizza für uns (Papa Joe's hat leider Betriebsurlaub), dann trennen sich unsere Wege. Christoph fährt heim nach Gleisdorf, ich will noch meine Eltern besuchen. Aber so ganz ohne Klettern will ich das Wochenende dann auch nicht vorübergehen lassen, ausserdem sind meine Eltern noch nicht zuhause und ich habe natürlich keinen Schlüssel dabei. Also auf nach Mitterdorf! Bei Kindberg fahre ich dann von der Autobahn ab; es schüttet wie aus Kübeln, null Sicht bei 50 km/h. Jetzt in der Südwand zu hängen oder im Schiestlhaus festzusitzen, naja. Es war genau die richtige Entscheidung!
Hoffentlich haben wir dann Mitte September am Großglockner mehr Glück, da ist ja dann Anreise und Zustieg doch etwas länger…

Zurück beim Auto.

Ort (Karte)

Die Tücken von 6a+
"Waldspielplatz" Gratkorn
 

Kommentare 2

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Heimo Mihok am Montag, 09. September 2019 17:06

Alles richtig gemacht
Naja, bis auf die Schuhe

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Alles richtig gemacht ;) Naja, bis auf die Schuhe :D
Gerit am Dienstag, 10. September 2019 01:58

Sicher im Tal und kein Material zurückgelassen, klingt eigentlich ziemlich erfolgreich (den Umständen entsprechend)

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Sicher im Tal und kein Material zurückgelassen, klingt eigentlich ziemlich erfolgreich (den Umständen entsprechend) ;)