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66199603_2457743090932260_9127308594994216960_n Haindlkar, photo credit: Horst Jobstraibitzer

Steigt mir der Geruch von Frittenfett in die Nase, so beamen sich meine Gedanken augenblicklichst in den Gastgarten der sagenumwobenen Szenenkneipe "Le Chamonix" im belgischen Klettergebiet Freyr. Ich sehe mich dort mit meinen Freunden Harry und Jetzke am Tisch sitzen und wir feiern gemeinsam den gelungenen Durchstieg von "Nina Hagen". Bei einer Riesenportion Pommes mit Mayo, mit Cola für Harry und kühlem, blondem Leffe für Jetzke und mich. Die kleingriffige, technisch anspruchsvolle und mit ordentlichen Runouts gewürzte Route hat uns so richtig gefordert. Nun fällt die Spannung ab und wir genießen die bewundernden Gratulationen unserer holländischen Freunde. Frittenfett wird mich für ewig an diesen Moment erinnern.

Überhaupt finde ich es interessant, wie sehr Gerüche und Erinnerungen, bei mir zumindest, miteinander verbunden sind. Jedes Klettergebiet hat seinen eigenen, unverwechselbaren Geruch und ich brauche ihn nur ansatzweise zu erschnuppern, schon erinnere ich mich an die dazugehörende Location und an meine Erlebnisse ebendort.

Ich schaffe es auch nie an einem Hanfshop vorbeizugehen ohne kurz den Laden zu betreten und an den Pröbchen dort zu schnüffeln. Dabei habe ich mit Drogen so gar nichts am Hut, aber die Gerüche erinnern mich so sehr an die legendären Bouldersessions vergangener Tage in der Peggauer Höhle. Abhängig davon, ob die Nasenscheidewand von einer süßlichen Duftwolke umschmeichelt wurde oder vom herben Gestank richtigen "Shits", wusste man schon, noch lange bevor die Höhle in Sichtweite kam, wer von den Kumpels bouldernd (und kiffend) anzutreffen sein wird.

Der Geruch, von der Sonne aufgeheizter Fichten- und Tannenwälder gehört für mich zu den Felsblöcken von Val San Nicolo. Dieses Sportklettergebiet in den Dolomiten hält für mich weniger Erinnerungen an besonders großartige Erfolge parat als vielmehr das unglaubliche Gefühl, plötzlich und völlig unerwartet neben Stefan Glowacz zu stehen. Stefan beeindruckte mich nicht nur mit seiner sympathischen, netten Art sondern auch mit einer technisch perfekten onsight Performance in einer der gefürchteten, old school bewerteten und schier griff- und trittlosen Routen von Heinz Mariacher.

Lavendelduft und thermische Aufwinde gehören für mich ganz zweifelsfrei nach Südfrankreich. Oben, am Schluchtrand der Gorge du Verdon zu stehen und sich den Frühlingswind ins Gesicht blasen zu lassen ist, jedesmal nach einem langen Winter ein Hochgenuss der ganz besonderen Art. Es riecht nach mediterranen Kräutern, tief unten rauscht der türkisblaue Fluss und aus dem Augenwinkel sehe ich Mich Kemeter, wie er sich mit seinem Baseschirm im Rückwärtssalto in die Tiefe wuchtet. Gleichzeitig steigt mir der Gestank des Ziegenbocks in die Nase, der sich besonders vertrauensvoll an mich schmiegen will, in der frohen Hoffnung etwas von meinem Apfel abzubekommen..

Wind ist für mich auch ein Thema. Seit mich der Mistral beinahe mitsamt Zelt vom Campingplatz "Les Cedres" geblasen hat, liebe ich Wind. Erinnert er mich doch an die geilen Felsen von Buoux und zudem rieche ich bei diesen Gedanken auch sofort die goldbraun gebackenen Baguettes der örtlichen Boucherie. 

Das Geruchswirrwarr kleiner, italienischer, Lebensmittelgeschäfte versetzt mich sofort in den Miniladen von Feglino am Fuße des Monte Cucco bei Finale Ligure. In den achtziger Jahren liefen wir alle paar Tage, von unserem Basecamp unter den Felsen, ins Tal um unsere Vorräte aufzubessern. Nicht ohne uns dort ein paar süße Leckerlis unter den Nagel zu reissen. Ich habe keine Ahnung mehr, was das jetzt war, aber den Geruch würde ich sofort wiedererkennen. Mit dem Monte Cucco verbinde ich allerdings auch grausigen Latrinengestank. Wir waren nicht die Einzigen, die dort wild campierten. Es war wild, grausig und doch so unglaublich fantastisch, dass ich um kein Geld der Welt diese Erinnerungen verkaufen würde. Das Wasser holten wir von einem Brunnen am Strassenrand. Keiner von uns erkrankte an Pest oder Cholera. Obwohl das Wasser, soweit ich mich erinnern kann, irgendwie seltsam roch.

Auch Arco besitzt einen Geruch, den ich sofort erkenne. Es ist ein Gemisch aus Cappucino, Pizza und den Abgasen der dreirädrigen Vespacars namens Ape, mit denen die Einheimischen durch die engen Gäßchen düsen.

Zwei lange Sommerferien habe ich in den achtziger Jahren fast durchgehend im Haindlkar verbracht. Gemeinsam mit einigen anderen Felshupferln saß ich tagelang in Hedis Küche und wir schmiedeten gemeinsam große Nordwandpläne. Immer umgeben vom Geruch der Köstlichkeiten, die auf ihrem Herd vor sich hin schmurgelten. Als Hedi das Haindlkar verließ, nahm auch ich Abschied von dieser großartigen Landschaft. Geblieben ist mir nur der unverwechselbare Geruch der Latschen und Kiefern, der mir sofort in die Nase steigt, wenn ich nur an das Gesäuse denke. 

Aber ist das wirklich so? Oder spielt mir die Erinnerung da einen üblen Streich und es ist alles total anders und dieser Geruch, der meine Träume begleitet, existiert gar nicht?

Kürzlich nutzte ich eine Dienstreise für einen kleinen Umweg. Bei Liezen bog ich in Richtung Gstatterboden ab und mit jedem Meter, mit jeder Kurve kamen mir mehr und mehr Erinnerungen in den Sinn. Die ersten Felswände tauchten vor mir auf. Es war ein bisschen wie nachhausekommen. Ich ergatterte den letzten freien Parkplatz und lief den Schotterweg hinauf in Richtung Hütte. Die Wucht der Nordwände von Hochtor, Dachl und Roßkuppe erschlug mich förmlich. 

Ich lief weiter. Auf einer kleinen Anhöhe blieb ich, völlig ausser Atem, stehen. Obwohl ich seit vielen, vielen Jahren nicht mehr hier gewesen war, fühlte sich alles so vertraut an. Vielleicht war auch der Geruch, der mich in diesem Augenblick umgab, daran schuld. Es roch, genauso wie in meiner Erinnerung, nach Latschen und Kiefern....


Schock: Erst Baum, dann Felsbrocken im Anmarsch.
Besser klettern mit Yoga #1
 

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