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La Sportiva - Futura - Kletterschuh - Produkttest

Flo
Aktualisiert 19 Januar 2023
 
4.5 (1)
11847 1 7 0
La Sportiva - Futura - Kletterschuh - Produkttest

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Produkt Infos

Hersteller

Kletterschuhe sind ja eine eigene Wissenschaft. So gut wie jeder Kletterer hat schon mehrere Paare an Schuhen durchprobiert. Viele haben mehrere Paare, für verschiedenste Situationen einen eigenen Schuh: Einen zum Routenklettern, einen zum Bouldern, einen Billigen für die Halle usw. Die Wichtigkeit eines guten Kletterschuhs ist unbestritten. Schließlich ist der Gummi der Kletterpatschen meist das Einzige was mich neben meinen Fingern in der Wand hält.

Auch ich habe mittlerweile einiges durchprobiert, aber den perfekten Schuh noch nicht gefunden. Zwar habe ich meinen Favoriten, doch auch dieser ist nicht perfekt.

Im Frühjahr letzten Jahres wurde dann ein neuer La Sportiva Schuh beworben. Auf den ersten Blick ein Hybrid aus Speedstar und Solution. Als Fan des Solutions und auch des Speedstars war es für mich nur eine Frage der Zeit bis ich diesen neuen Schuh ausprobieren musste.

Auch wenn der Futura mehr dem Speedstar ähnelt, vergleiche den Schuh bewusst mit dem Solution, weil ich denke, dass der Schuh die "Zielgruppe" der Solutionjünger ansprechen soll.

Ersteindruck
Auf dem ersten Blick ein Solution mit runder Spitze in babyblau. Naja, die Farben sind vielleicht nicht unbedingt das meine, aber das wusste ich ja schon vorher. Ansonsten fühlt sich der Schuh, in gewohnter La Sportiva Qualität wertig an. Alles bestens verklebt und vernäht, was man sich natürlich, aufgrund des Preises auch erwarten darf.

Die verarbeiteten Materialien sind die üblichen Verdächtigen. Der Schuh selber ist eine Mischung aus Leder und Lorica, die Sohle eine bewährte Vibram XS Grip 2, mit 3 mm dünner als beim Solution (3,5 mm). Das P3-System soll den Downturn auch nach endlosen Klettereinsätzen bewahren, alles nichts Neues.

Das Verschlusssystem scheint zwar, auf dem ersten Blick das Gleiche wie jenes des Solutions zu sein, unterscheidet sich aber durch ein kleines, nicht unwesentliches Detail. Beim neuen Futura geht das Fast-Lacing-Band durch eine weitere Öse, knapp hinter dem Fußballen. Dadurch lässt sich der Schuh noch etwas enger und besser an den Fuß anpassen. Gerade, wenn man wie ich einen relativ schmalen Fuß hat, sitzt der Futura etwas angenehmer als ein Solution. Etwas überarbeitet wurde auch die Einstiegslasche. Während diese beim Solution durchgehend ist, setzt die Lasche beim Futura weiter unten an. Dadurch kommt man in den Futura zwar leichter rein, aber er sitzt auch, ohne festzurren um einiges wackliger. Sprich: Man muss des Futura einfach immer zumachen.

Stichwort zumachen, hier lag ja immer der größte Kritikpunkt am Solution begraben: Das reißen des Fast-Lacing-Bands. Dieses Problem wird sich ziemlich sicher, früher oder später auch beim Futura zeigen. Das dünne Bändchen ist immer noch dasselbe dünne Bändchen. Warum La Sportiva bei einem High-End-Schuh immer noch eine quasi Soll-Bruchstelle verbaut wird wohl immer ein Rätsel bleiben. Nachdem die Einstiegslasche anderst gestaltet wurde als beim Solution fürchte ich schon den Tag an dem ich das Bandl abreise. Den Solution könnte man immer noch ganz gut als Slipper tragen, den Futura müsste ich dann mit Tape umwickeln um ihn weiter klettern zu können. Aber mal abwarten, wie lange es hält.

Das größte Übel des Solutions war, meiner Meinung nach immer die klumpige Ferse. In speziellen Situationen war der Gummiklumpen zwar ganz nett -beispielsweiße ein großer Riss in den ich einfach nur meine Ferse hineinstopfen muss- aber gefühlvolles hooken war für mich immer unmöglich. Durch diese übertriebene Gummierung spürt mein einfach keine einzige Unebenheit, quasi blindes heelhooken. Die Ferse des Futura ist die gleiche wie jene des Speedstars. Konservativ, aber es funktioniert.

Obwohl La Sportiva angibt, dass der Futura der schwerere der beiden Schuhe ist, fühlt er sich subjektiv leichter an. Der Futura kommt mir einfach "ausbalancierter" vor. Er ist einfach mehr zweite Haut, als Fremdkörper.

Nun zum offensichtlichsten Unterschied, die runde Spitze. Das Konzept ist ja kein neues. Bereits vor einigen Jahren kam der Speedstar heraus. Doch ein Blick in die heimischen Kletterhallen zeigt, dass sich de Speedstar nie so richtig durchsetzten konnte. Grundsätzlich soll das No-Edge Konzept den großen Zehen näher an die Wand bringen und so zu mehr Sensitivität führen. Die ersten Kletterversuche mit einem Speedstar oder dem Futura sind dementsprechend seltsam. Während man mit der klassischen Spitze präzise die Tritte trifft, steigt man mit dem runden Pendant irgendwie alles halb auf Reibung. Schwer zu beschreiben, aber durch die fehlende Kante bringt man immer etwas Gummi auf die Wand und nicht nur auf den Tritt (das Ganze bezieht sich natürlich auf kleinste Tritte, keine tischgroßen Henkeltritte).

Größenmäßig kann man sich durchaus an seiner typischen La Sportiva-Größe orientieren, wenn auch der Futura etwas enger ausfällt als beispielsweiße ein Katana oder Speedstar.

Halle
In der Halle ist der Futura purer Spaß. Er sitzt bequem, ist leicht und selbst kleinsten Spaxtritte lassen sich problemlos ansteigen. Wie oben schon erwähnt ist das Ansteigen an sich etwas gewöhnungsbedürftig, aber hat man erstmal den Dreh raus, dann fühlt man sich sehr schnell wohl. Ein Vorteil der runden Spitze ist, dass sich der Fuß auf jeder Trittgröße weiterhin gut drehen lässt. Aber auch Reibungstritte sind überhaupt kein Problem, der Gummi pickt regelrecht an der Wand. Seine größten Stärken spielt der Futura aber i, überhängenden Terrain aus. Hier lässt sich mit den Zehen zeihen, wie mit einer dritten und vierten Hand. Heelhooks kleben an der Wand und der Schuh klebt an den Fersen, hier gibt sich La Sportiva keine Blöße. Herausragend sind die Toehookeigenschaften. Wie auch die Spitze des Speedstars hält der Futura bombenfest an den Kunstgriffen. Lediglich in Platten wird einem übermäßig viel Zehenkraft abverlangt. Durch die weiche, nicht durchgehende Sohle kann das Stehen in der Senkrechten ganz schön in die Unterschenkel gehen (aber wer klettert schon gerne Platten ;) ).

Fels
Das ist definitiv die Umgebung in welche ein Schuh dieser Preisklasse hingehört, an den Fels. Auch hier kann der Futura voll und ganz überzeugen. Wie auch in der Halle, ist das überhängende Gelände des Futuras Freund. Toehooks sind ähnlich des Solutions und des Speedstars eine Wucht. Beim heelhooken spielt der Futura, vor allem gegenüber des Solutions seine Stärken aus. Durch die deutlich dünner gummierten Fersen lässt sich mit viel mehr Gefühl, selbst auf kleinen Unebenheiten die Ferse setzten. Trotzdem ist die Ferse dick genug um nicht jegliche Felsspitzen als schmerzhaft empfinden zu müssen. Durch das Verschlusssystem hält der Schuh in allen erdenklichen Situationen annähernd so gut wie ein Schnürrer.

Den einzigen Nachteil, gegenüber einem herkömmlichen Schuh mit Kante den ich feststellen konnte, ist das seitliche antreten von Mikrotritten. Hier sitzt, aufgrund der auch seitlich abgerundeten Kanten der Futura gegenüber traditionellen Schuhen am kürzeren Ast. Allerdings fällt mir ad hoc nur ein einziges Boulderproblem ein, wo dieses seitliche antreten wirklich von Nöten wäre, also denk ich kann man das getrost vernachlässigen. Eigentlich jeder mir bekannte Kletterer besitzt ein zweites Paar Schuhe, welches in so einer Situation zum Einsatz kommen würde.

Unterschied zum Speedstar
Ganz um einen Vergleich mit dem Speedstar kommt man allerdings nicht herum, schließlich ist das der einzige andere Schuh der auf das No-Edge-Konzept setzt. Immerhin ist der kleine Bruder des Futura um einiges günstiger.

Der Speedstar ist bekanntlich ein Slipper. Damit ein Slipper gleich gut hält wie ein Velcro oder Schnürer, muss ich ihn zumindest eine Nummer kleiner nehmen und auch dann habe ich es schon geschafft mir den Schuh bei pressigen Hooks auszuziehen. Für die Halle finde ich Slipper perfekt, schnell rein, schnell raus. Am Fels will ich aber das mein Kletterschuh einfach Bombe hält, deswegen präferiere ich Velcros oder Schnürrer, aber das ist wohl Geschmacksache. Im Aufbau unterscheidet sich der Speedstar vom Futura nicht nur durch das Verschlusssystem, sondern auch durch die Zwischensohle, welche beim Futura verbaut ist. Anfangs, die ersten paar Klettereinsätze merkt man deutlich, dass der Futura um einiges härter und stabiler ist, allerdings weicht die Zwischensohle immer mehr auf, sodass ich mittlerweile kaum noch einen Unterschied erkennen kann.

Was bleibt ist, dass der Futura einfach besser sitzt. Das liegt am Verschlusssystem, als auch am etwas engeren Schnitt. Nichtsdestotrotz würde ich aufgrund des niedrigeren Preises den Speedstar für die Halle bevorzugen, wenn man sich mit dem No-Edge Gefühl anfreunden kann. Am Fels hat ganz klar der Futura die Nase vorne.

Fazit
Alles in allem ein durchwegs gelungenes “Experiment”, welches La Sportiva herausgebracht hat. Das No-Edge Konzept, das ja kein neues ist wurde mit dem Futura weiter verbessert. Das anfängliche Gefühl mag auf den einen oder anderen etwas befremdlich wirken, wer sich aber darauf einlässt wird mit einem neuen, sensibleren Trittgefühl belohnt.

Der Preis bleibt natürlich ein Wahnsinn, ist aber kein La Sportiva spezifisches Phänomen. Durch die Bank zahlt man mittlerweile für die High-End Modelle der gefragten Schuhhersteller 130 Euro und mehr. Und zumindest ein Paar dieser Waffen sollte man für seine schwersten Routen und Boulderprobleme immer im Gepäck haben. Klar lässt sich ein 8A-Boulder auch mit einem Katana begehen, aber gerade an der eigenen Leistungsgrenze zählt jede Kleinigkeit, also warum bei den Schuhen potential verschenken. Nicht zuletzt bieten Kletterschuhe am Fels eine hohe Haltbarkeit, für die Halle wäre mir der Futura schlichtweg zu teuer. Wer also in der Halle nicht auf die lieb gewonnene runde Spitze verzichten will, dem bietet sich mit dem Speedstar eine günstigere Alternative.

Wer nach einen bequemen Schuh für leichtere (alpine) Touren sucht wird mit dem Futura nicht glücklich werden. Hier gibt es andere, preiswertere Möglichkeiten. Das Einsatzgebiet sind definitiv Boulder und knackige Sportkletterrouten. Somit bleibt festzuhalten: Je steiler das Gelände, umso besser der Futura.

Produktdetails
Material: Kalbsämischleder und Lorica
Sohle: Vibram XS Grip 2
Farbe: Blau
Verschluss: Velcro, Fast Lacing System
Gewicht: 450 g/Paar
Größen: 32-46, in halben Nummern
Extras: P3 System

Fotos

La Sportiva - Futura - Kletterschuh - Produkttest
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Die babyblaue Wunderwaffe aus Italien überzeugt mich in allen Belangen. Hooken und steiles Gelände, hierfür wurde der Schuh entwickelt. Einmal an die runde Spitze gewöhnt, will man sie nicht mehr missen. Fraglich bleibt wie lange der Verschluss hält. Sollte es reißen, werde ich es euch mitteilen. Ein weiterer Wehrmutstropfen bleibt der Preis. Wohl oder übel muss man für Qualität tief in die Tasche greifen, wie der Vergleich mit anderen Herstellern zeigt.
Vorteil:
+ Passform und Verarbeitung, gerade für schmälere Füße
+ der Schuh pickt wo er picken muss
+ eine La Sportiva Boulderwaffe ohne Klump-Ferse, auch von der Passform her eine deutlich engere Ferse
+ sensibles Ansteigen kleinster Tritte
+ Toehook/Heelhook
Nachteil:
- Soll-Bruchstelle Fast-Lacing System, das Veschlussband wird reißen bevor der Gummi durch ist (Prophezeiung!)
- Preis
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