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DMM - I.M.P.s - Klemmkeile - Produkttest

Klaus Schrefler
Aktualisiert 22 Oktober 2022
 
4.8 (2)
8330 0 7 0
DMM  I.M.P.S - Klemmkeile

Erhältlich bei

Bergfreunde.de
Bergfreunde Outdoor-Store

Produkt Infos

Ausrüstung, die aussieht wie Einbrecherwerkzeug? Und dann noch „Makellose-Marginal-Sicherung“ als Produktbezeichnung? Was solches Material an einem Klettergurt zu suchen hat und wozu es zwischen Einstieg und Ausstieg zu gebrauchen ist soll der folgende Testbericht klären.

Endlich kommt das erwartete Päckchen; und da liegen sie nun auf meinem Küchentisch und warten darauf von mir getestet zu werden: die I.M.P.s von DMM – kleine Wunderwerke der Schmiedekunst.

Das Kürzel steht für „Immaculate Marginal Protection“. Nun, es klingt nicht gerade vertrauenserweckend, wenn dem „makellos“ ein „grenzwertig“ nachgestellt wird. Britischer Humor, ich korrigiere: wallisischer Humor? Wär gut möglich, nennen sich schließlich auch die doch nicht ganz unwesentlich größeren Keile von DMM Peenuts bzw. DMM Wallnuts. Ganz unzutreffend ist das Wort „marginal“ nicht und auch wenn der Wert von 4kN (Größe 1) doch merkbar höher liegt als bei vergleichbaren Produkten der Konkurrenz garantiert er nicht einmal den Normsturzfaktor1 zu halten. Aber ich erwarte das auch gar nicht von ihnen. Eine Anforderung, die sie jedoch sehr wohl erfüllen sollten, ist, einen Sturz dermaßen abbremsen zu können, dass der nächste Keil (der dann beispielsweise auf 7kN ausgelegt ist) hält und der Sturz verlangsamt wird. Nicht nur das, vielleicht sollte man auch großen Dank verspüren, wenn sie sich in einer Platte ohne jede Vision des Weiterkommens als rettender Sitz missbrauchen lassen. Natürlich ist das nur rein hypothetisch, wer sitzt schon rum? Tja, und nicht zuletzt gibt es da noch einen weiteren Aspekt – sie sollten auch psychisch unterstützen, wenn sich mal gar keine anderen Absicherungsmöglichkeiten auftun. Wer gern außerhalb der Klettergärten in den Wänden ist, kennt das Gefühl der Entspannung, das eintritt, wenn eine Sicherung, welcher Art auch immer, gelegt wurde. Nun gut, soweit die Theorie.

Handling
Wie sieht es in der Praxis aus? Bis ich zum Testen komme, vergeht Zeit. Immer wieder betrachte ich die kleinen Wunderdinger und stelle mir vor, wie es sich anfühlt sein Leben einem 4kN-Minikeilchen anzuvertrauen. Gefühlte Wochen später ist es schließlich so weit. In einer Mehrseillänge versuche ich geeignete Risse für die Keilchen zu finden und bemerke, dass sie sich doch seltener legen lassen als ich erwartet hatte. Eine weitere wichtige Erkenntnis tut sich auf: ich stelle fest, dass ich zwar den Nuts traue, nicht jedoch unbedingt dem Fels. Zumindest im Kalk des Grazer Berglands ist dahingehend – viel mehr noch als bei den größeren Keilen – Vorsicht geboten. Da die Auflagefläche dermaßen klein ist, ist es unumgänglich, die Dinger mit Bedacht zu platzieren, sonst ist schnell mal ein kleines Stück vom Fels abgesprengt und der makellose Keil fliegt durch die Luft, man selbst unweit hinterher.

Im Detail schaut das Prozedere folgendermaßen aus. Die Rissleins sollten sich schon entsprechend verjüngen, damit die I.M.P.s auch sicher halten. Logisch könnte man meinen, ist ja auch bei den großen Brüdern nicht anders. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Die Tests haben gezeigt, dass sich geringfügig verjüngende Risse auf den paar Millimetern, die der Keil breit ist, schnell mal ausgesprengt werden, bei einem größeren Keil ist da einfach deutlich mehr Spielraum. Andererseits ist ihr zartes Erscheinungsbild auch von Vorteil. Flache Vertiefungen, aus denen die kleinsten Peenuts bereits halb rausstehen, nehmen das Testobjekt problemlos auf, was sie im gegebenen Fall deutlich sicherer macht. Zudem passt sich die mechanisch hoch beanspruchbare Legierung im Fall eines tatsächlichen Sturzes ein wenig an den Fels an, was die Sprengkräfte abmildert. Durchdachte und die von DMM gewohnte Top-Qualität eben! Die oben genannten Schwierigkeiten kann man ohnehin keineswegs dem Produkt anlasten, viel mehr ergibt sich als Fazit: Keile legen will gelernt sein, Keilchens legen umso mehr.

Zugegeben, seit ich sie das erste Mal am Gurt hatte, bin ich in keine einzige neue Mehrseillänge mehr ohne sie eingestiegen. Anders als bei den größeren Sicherungsmitteln ist das Gewicht vernachlässigbar, die Erleichterung jedoch umso größer, wenn sie zur Hand sind. Immer dann, wenn kein Friend, kein Keil sich verwenden lässt und der nächste Haken unendlich weit entfernt scheint, haben sie dort Platz, wo die Finger zu dick sind und kein anderes Sicherungsmittel mehr passt. Richtig gelegt halten sie absolut, was sie versprechen, die Makellosen für die Grenzsituationen. Nebenbei erwähnt, niemand hindert einen daran, mehrere I.M.P.s neben- oder hintereinander zu platzieren, wenn die erwartete Sturzhöhe zu den Sicherheitsanforderungen in einer Disbalance stehen sollte.

Qualität
Eines noch zum Schluss: Ich muss schon gestehen, dass ich viel auf DMM halte. Alles was ich bislang von dieser Firma in Händen hielt, hat meine Erwartungen mehr als erfüllt, ist durchdacht und langlebig. Jedes Produkt, das die Schmiede in Llansbury verlässt, ist - ganz im Gegensatz zu den Produkten der meisten anderen Hersteller - tatsächlich in Europa hergestellt, muss speziellen Qualitätskriterien genügen und hat viele Hände durchlaufen. Diese Qualität hat verständlicherweise ihren Preis! Ein paar Euro mehr für eine Investition, mit der man auf lange Sicht ohnehin billiger davonkommt, als wenn man sich über schlechteres, eben nicht makelloses Material ärgern muss und - gerade an meinem Kletterequipment häng ich nun mal!

Tipp
Haben sich die Keile mal ordentlich in den Fels gefressen, ist der Nutbuster am Gurt der nachsteigenden Person von Vorteil, um sie wieder herauszuhebeln. Wer mit den I.M.P.s noch nicht das Auslangen findet, kann sein Rack übrigens mit den Brass Offsets noch entsprechend aufbessern, dabei handelt es sich quasi um die nicht symmetrischen Pendants zu den hier vorgestellten Keilen.

Produktdetails
Konstruktion: Klemmkeile
Material: Siliciumbronze-Legierung (Aluminiumstanze farblich eloxiert mit eingelöteter Drahtschlinge)
Größen: 1, 2, 3, 4, 5
Gewicht: 4 g (Größe 1) - 16 g (Größe 5); 51 g (Set der Größen 1-5)
Bruchlast: 4 kN (Größe 1); 5 kN (Größe 2-3); 7 kN (Größe 4-5)
Schlinge: Drahtschlinge; 1,7 mm (Größe 1); bis 2,6 mm (Größe 4-5) stark
Extras: auch als Set erhältlich (Größe 1-5 bzw. Größe 2-4)

Fotos

I.M.P.s, die Makellosen von DMM
Der kleinste, kaum breiter als eine 2€-Münze
Oberflächliche Vertiefungen - bestenfalls zum Rasten zu gebrauchen
Sicher gelegt im Grazer Bergland-Kalk
In verlaufenden Rissen gut zu platzieren (nach dem reindrehen nach links unter die Spalte)
Kleinere sicherheitstechnisch völlig irrelevante Abnutzungsspuren

Bewertungen

2 Feedbacks
Gesamtbewertung
 
4.8
Preis / Leistung
 
4.5(2)
Qualität
 
5.0(2)
Handling
 
4.8(2)
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Lustige Dinger :)
Gesamtbewertung
 
4.5
Preis / Leistung
 
4.0
Qualität
 
5.0
Handling
 
4.5
Dass sowas Kleines zur Absicherung dienen soll, ist auf den ersten Eindruck schon fraglich :-D Aber gerade wegen des geringen Gewichts passen sie super auf den Klettergurt und werden, wenn einmal im Equipment vorhanden, bei keiner Mehrseillänge zu Hause gelassen ;)
Vorteil:
+ geringes Gewicht und wenig Platzverbrauch am Gurt
+ super Qualität
Nachteil:
- in unseren Gebieten eher selten einsetzbar
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Keile legen will gelernt sein, Keilchens legen umso mehr!
Gesamtbewertung
 
5.0
Preis / Leistung
 
5.0
Qualität
 
5.0
Handling
 
5.0
.
Vorteil:
+ leicht, handlich, immer mitführbar
+ widerstandsfähig, makellos(!) verarbeitet
+ vergleichsweise hohe Sicherungswerte
Nachteil:
- nichts für unruhige Gesellen
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