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3 Minuten Lesezeit (666 Wörter)

Bouldern beginnt dort, wo der Körper nein sagt.

DSC_0017 Fb 7b+ am Dumpfbackenblick; photo credit: Archiv Horst Jobstraibitzer

Die Aufgabe mit den blauen Griffen im Grazer Bloc House hat es in sich. Für mich jedenfalls. Die Jugend hingegen spaziert den Boulder nur so her.

Zack,Zack,Zack –top.

Und auch die Ältersemestrigen, mit denen ich mich hier immer wieder zum gemeinsamen Bouldern verabrede, kriegen die Moves hin.

Bei mir hingegen fühlt sich das unmöglich an. Weniger als die Hälfte der Bewegungen kann ich machen. Und auch das nur mit Ach und Krach. Für den Rest habe ich nicht einmal den Ansatz einer Lösung parat. Es geht einfach nicht. Frustriert beschließe ich, kleinere Brötchen zu backen und wende mich Boulderproblemen zu, bei denen sich mir nur die Frage stellt ob ich sie flashen werde, oder ob ich zwei oder drei Anläufe benötige.

Den Rest des Abends bouldere ich Probleme hoch die, genau genommen, null Herausforderung sind und wenn ich doch mal runterfliege, dann nur weil ich mich richtig dämlich angestellt habe.

Später dann, an der Bar bei einem Lasko Pivo, hänge ich nachdenklich trüben Gedanken nach.

Bouldern macht Spaß. Riesigen Spaß sogar. Aber kann es das wirklich sein? Herumhampeln in Problemen die auch Anfänger hinkriegen und kapitulieren sobald der erste Boulder seine Zähne zeigt? Gibt es nur schwarz oder weiß? Einfach oder unmöglich? Nix dazwischen? Nix graues, das dich zwingt aus deiner Wohlfühlzone herauszugehen und das dich belohnt wenn du alles gegeben hast was du geben kannst?

Wie war das eigentlich früher?

Als es noch keine Boulderhallen gab und ich wochen- und monatelang zum Dumpfbackenblick hochgepilgert bin? Manchmal hab ich mich für einen einzigen Zug tagelang abgemüht bis ich endlich, endlich, endlich, eine Körperposition fand, die mir ein Weitergreifen zum nächsten Griff ermöglichte. Meine 7b Boulder, die ich dort oben geklettert bin, waren letztlich allesamt das Ergebnis bedingungsloser Hingabe und Begeisterung.

Abends Zuhause fällt mir ein Video in die Hände.

Stefan Köchel bouldert „Power of goodbye (8b)"im Kärntner Maltatal.

3 Züge, dreizehn Sessions. Das Video ist genial gemacht. Ich liebe es und für mich verkörpert es genau das, was ich mir unter bouldern vorstelle.

Und jeder, der Stefan kennt, weiß welch ein King dieser Junge in der vertikalen Welt ist. Wie stark der klettert – und so ein Hero geht dreizehn Mal zu einem einzigen Boulder!

Reißt sich bei seinen Versuchen, tiefe, blutende Wunden in die Finger und gibt einfach nicht auf. Auch wenn sein Körper schon längst kapitulieren will und die weiße Fahne schwenkt.

Stefan ist im Kopf so stark, dass er letztendlich, nach dreizehn Tagen, den Körperschwung nach dem Dynamo abfangen und den Boulder austoppen kann.

Und plötzlich fällt mir alles wieder ein. Der Kopf ist entscheidend!

Der Körper wird mit den Jahren müde. Ausgelaugt von unzähligen Klettertagen und Verletzungen. Der Geist aber bleibt, wenn man es will, wach bis zum Letzten unserer Tage.

Im Kopf bin ich gleich jung wie die Jungs und Mädels im Bloc House. Da merke ich echt keinen Unterschied und manchmal muss ich mich richtig zwicken um wieder in die Realität zurückzukehren.

Als ich ein paar Tage nach dieser Erkenntnis wieder in der Boulderhalle auftauche, habe ich nur ein Ziel:

Ich werde „meinem" Projekt zu Leibe rücken. Ungeachtet aller bunten Griffe links und rechts. Ungeachtet aller anderen Boulder die einen raschen Erfolg versprechen.

Wie zu alten Zeiten am Dumpfbackenblick bin ich wieder bereit alles zu geben, alles zu versuchen. Ich krame in meiner Trickkiste und auch wenn mein Körper „geht nicht" schreit und sich sträubt Bewegungen zu machen die ihm der Geist vorgibt, geht es voran. Gemeinsam mit den fitten Jungs und Mädels feile ich an den Moves und es wird von Versuch zu Versuch besser.

Am Ende des Tages fehlt mir nur mehr ein Zug. Und auch den werde ich noch machen können. Da bin ich mir ganz sicher. Es war dieses Mal schon total knapp.

Nach dieser Bouldersession schmeckt mir das Lasko Pivo besonders gut.

Zum ersten Mal seit langer Zeit spüre ich das Gefühl, dass beim Klettern doch noch etwas gehen kann - Ich muss es nur wirklich wollen.

Frohe Weihnachten meine Lieben – wir sehn uns!

Ganz schön schwer
Dumpfbackenblick – eine vorläufige Bestandsaufnahm...
 

Kommentare 1

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Rob Harbert am Montag, 24. Dezember 2018 14:02

Du sprichst mir aus der Seele, momentan ist es mein innerer Schweinehund der mich daran hindert Bouldern zu gehen. Und die Zeit. Aber die wird kommen, ich weiß wenn mein Körper mich lässt, mein Geist der ist als ich noch so um die 25 bis 30 Jahren war. Und das lässt mich hoffen und freuen auf die nächste Boulder Session in der Halle oder im Frühjahr wieder in einem schönen Klettergebiet. Dir Horst und deiner Familie wünsche ich frohe Weihnachten. Und bitte weiter so mit deine super Beiträge. Liebe Grüße. Rob.

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Du sprichst mir aus der Seele, momentan ist es mein innerer Schweinehund der mich daran hindert Bouldern zu gehen. Und die Zeit. Aber die wird kommen, ich weiß wenn mein Körper mich lässt, mein Geist der ist als ich noch so um die 25 bis 30 Jahren war. Und das lässt mich hoffen und freuen auf die nächste Boulder Session in der Halle oder im Frühjahr wieder in einem schönen Klettergebiet. Dir Horst und deiner Familie wünsche ich frohe Weihnachten. Und bitte weiter so mit deine super Beiträge. Liebe Grüße. Rob.