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Filmprojekt Grazer Bergland.

IMG_20190606_144344 photo credit: Horst Jobstraibitzer

Die Idee eines Filmes über einen Klettertag im Grazer Bergland geistert schon lange durch meinen Kopf und als ich mich vor etwa einem Jahr an den Schreibtisch setzte und meine ersten Gedanken dazu zu Papier brachte, ahnte ich noch nicht, dass sie eines Tages wirklich Teil eines konkreten Projektes werden würden.

Tatsächlich wird aktuell ein Film über das Grazer Bergland gedreht. Die erste Hälfte ist bereits im Kasten und wir dürfen uns auf eine Ausstrahlung im Frühjahr 2020 freuen. Von meinem Erstentwurf "Ein (möglicher) Tag im Grazer Bergland"​ hat es zwar keine Szene in das endgültige Drehbuch geschafft aber ich durfte meine Ortskenntnisse auf der Suche nach Drehorten und meine Freundschaften und Kontakte bei der Suche nach den Protagonisten einbringen. Es war ein spannender Einblick hinter die Kulissen und bevor ich meinen ersten Entwurf auf Nimmerwiedersehen im Papierkorb versenke, habe ich mich entschieden ihn auf CLIMBING.PLUS doch noch zu veröffentlichen.

"Ein (möglicher) Tag im Grazer Bergland".

Während der Tower des Grazer Flughafens von den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne in goldenes Licht getaucht wird, bereitet sich der Pilot und Kletterer Hannspeter Zinko auf einen morgendlichen Flug über das Grazer Bergland vor.
Gleich nach dem Start Richtung Süden zieht er eine Schleife und nimmt mit seiner einmotorigen Piper Kurs auf den Schöckl zu, der nicht nur der Hausberg der Grazer ist, sondern auch den südlichen Endpunkt des Berglandes markiert. Weiter geht es nach Nordosten über die Weizklamm ehe er den Kurs ändert und nach Westen abbiegt. Hier gleitet er entlang der Roten Wand, der breiten Wand und dem Ratengrat in das Murtal, dem er nach Erreichen nach Norden folgt. Vorbei am fast alpin anmutenden Röthelstein, der mit der Drachenhöhle eine der interessantesten prähistorischen Fundstätten Österreichs beherbergt. Zinko passiert das rechterhand liegende Bärenschütztal und hält weiterhin Kurs Nord. Erst zwei Kilometer weiter lässt er seine Maschine nach rechts kippen und fliegt entlang der Rannerwand in das Breitenauertal um nach wenigen Kilometern den höchsten Punkt des Grazer Berglandes, den Hochlantschgipfel zu umfliegen. Die Maschine zieht eine weite Schleife über das größte zusammenhängende Almgebiet Europas, die Teichalm, dreht schließlich nach Osten ab steuert auf den Ausstieg der Bärenschützklamm zu. Wie ein Adler zieht er zwischen steilen Felswänden hindurch, tief unter ihm die tosenden Wasserfälle der Klamm, bis sich das Tal öffnet und er entlang der bekannten Klettermassive wie Brunntal, Burgstall, Nadelspitz und Rampenwulst nach Mixnitz fliegt. Hier begegnet er wieder dem hoch über dem Ort thronenden Röthelstein aber diesmal drückt er den Steuerknüppel nach links und folgt dem Verlauf der Mur nach Süden, seinem Heimathafen entgegen, auf dessen Landepiste er, nach einer knappen Stunde Flug, sanft aufsetzt.
Es ist noch früher Morgen und während die Piper Zinkos ausrollt, macht sich ein anderer Liebhaber des Grazer Berglandes auf den Weg. Der Wahlmixnitzer und frühere Gastronom, langjähriger Pächter des Stubenberghauses am Schöckl und des Fuchswirtes in Mixnitz, Jürgen Rossol, versperrt seine Wohnung und schultert seinen Rucksack. Beinahe täglich ist er im Grazer Bergland unterwegs. Wandernd, Kletternd oder mit seinem Mountainbike. Kaum jemand kennt sich im Bergland besser aus als er. Mit großer Liebe und Begeisterung begeht er längst vergessene Wege und Steige und sucht versteckte Winkel auf, die nur noch ganz wenigen Einheimischen bekannt sind.
Heute wird sich Rossol mit zwei alten Freunden treffen, um gemeinsam mit ihnen die einsame, selten besuchte Nordseite des Röthelsteins zu erklettern. Während er auf der Bank vor der Bräunermühle auf seine Begleiter wartet, erzählt er von der klettersportlichen Geschichte der Felsen rund um Mixnitz, beginnend mit dem Fontanesteig am Röthelstein, der 1888 als erste Kletterroute im Grazer Bergland erklettert wurde.
Endlich kommen die Freunde. Der Bergführer und langjährige Leiter der Bergrettungssektion Mixnitz, Sigi Wentner und sein Seilpartner Tom Richter, Erschließer vieler Kletterrouten im Grazer Bergland und im Hochschwab. Sie haben sich die erste Durchsteigung des Grassauerweges zum Ziel gesetzt. Es ist dies die letzte, unvollendete, Route des Kletterpioniers und Haupterschließers des Berglandes, Franz Horich.
Horich stürzte vor 5 Jahren, 77 jährig beim Erschließen dieser Route tödlich ab und hinterließ eine Fülle großartiger Kletterrouten. Ohne ihn wäre das Grazer Bergland nicht das, was es heute ist.
Die Drei schultern ihre Rucksäcke und gehen den Wanderweg entlang in Richtung Bärenschützklamm. Kurz verweilen sie vor der Gedenktafel Franz Horich´s bevor sie weitersteigen und die sogenannte Arena passieren.
Die Arena ist das erste Klettermassiv im Bärenschütztal und es erlangte einen österreichweiten Bekanntheitsgrad durch seine schwierigen Routen. Hier wurde Sportklettergeschichte geschrieben und nicht nur einmal wurde die Arena zum Schauplatz der zu ihrer Zeit schwierigsten Route weitum. Jetzt, am frühen Morgen ist der Felsen noch menschenleer. Sportkletterer schlafen gerne lange und erst am frühen Nachmittag ist mit den jungen Athleten zu rechnen, die sich dann an den glatten und überhängenden Wandfluchten versuchen.
Jürgen, Sigi und Tom haben ihren Einstieg erreicht. Nun trennen sich ihre Wege. Sigi und Tom machen sich an den Grassauerweg im 6. Schwierigkeitsgrad. Jürgen wird im Alleingang den Westgrat klettern. Ein weithin sichtbarer, gezackter Grat, der sich schräg linkshaltend durch die 350m hohe Felswand zieht. Ein uralter Jägersteig den kaum jemand kennt, folgt diesem Grat. Geschickt umgeht er Steilstufen durch walddurchsetztes, schrofiges Gelände. Nur manchmal muss Rossol einfache Kletterpassagen überwinden. Während seines Aufstieges hat er immer Blickkontakt zu seinen Freunden, die sich Seillänge um Seillänge nach oben bewegen. Rossol erzählt Geschichten aus dem Grazer Bergland.
Am Nachmittag treffen sich die drei Freunde wieder am Ausstieg der Felswand und sie schütteln einander die Hände.
"Servus".
Gemeinsam besuchen sie die Absturzstelle Horich´s und verweilen in stillem Gedenken an ihren verunglückten Freund.
Der Abstieg erfolgt über einen weiteren Jägersteig hinab ins Tal.
Wieder passieren sie am Nachhauseweg die Arena. Diesmal ist sie nicht mehr menschenleer. Durch die schweren Regenfälle der vergangenen Tage jedoch sind die Überhänge der hinteren Arena nass geworden. Wasser tropft von den Sintersäulen die, wenn es trocken ist, den Kletterern als Griff und Tritt dienen. Hier wurde Klettergeschichte geschrieben. Hier wurden erstmals Routen des zehnten Schwierigkeitsgrades geklettert. Nicht nur im Grazer Bergland sondern Österreichweit. Mittlerweile sind ist man hier beim 11. Grad angelangt und kaum woanders gibt es eine derartige Dichte an schwierigen Routen auf so engem Raum. Heute ist aufgrund der Nässe an Klettern an diesem Überhang jedoch nicht zu denken.
Ganz anders sieht es in der oberen Arena aus. Diese ist weitaus weniger nässeanfällig und auch hier gibt es Kletterrouten die zum Zeitpunkt der Erstbegehung zu den schwierigsten Routen Österreichs zählten.
Die junge Studentin Lisa ist am Nachmittag von Graz nach Mixnitz gekommen um eine dieser geschichtsträchtigen Routen zu probieren. Seit einigen Tagen versucht sie sich bereits an einer weitüberhängenden Kante mit dem treffenden Namen „Train and Terror". An dieser Route, im Schwierigkeitsgrad 9+, sind von unten kaum Griffe und Tritte auszumachen. Der Gedanke, hier hochklettern zu können, scheint illusorisch und nur die weißen, mit Magnesia markierten, Griffe lassen eine kletterbare Linie erahnen. Nicht nur ein hohes Kletterkönnen ist erforderlich um hier hochzukommen, Lisa muss auch mutig sein. Ein Sturz in der Schlüsselstelle endet nur knapp über dem Boden und es braucht das absolute Vertrauen in seinen Sicherungspartner um hier an der Leistungsgrenze klettern zu können.
Nur wenige Meter daneben befindet sich eine weitere Route, die über die Grenzen des Berglandes hinaus bekannt geworden ist. Der „Zeitgeist", mitten durch eine 22 Meter hohe, weit überhängende Wand, gilt als erste Route, die mit dem magischen Schwierigkeitsgrad 10- bewertet wurde, Erstbegangen 1984 vom Grazer Thomas Hrovat. Siebzehn Tage benötigte er, um die Route sturzfrei, in einem Zug durchklettern zu können. Thomas hat dem Klettersport mittlerweile den Rücken gekehrt, nicht aber der 58 jährige Ernst Gruber, der sich unter der Route auf einen Durchstieg vorbereitet. Vor 34 Jahren, im Frühling 1985, hat er die Route als erster Wiederholer durchstiegen und heute will er es noch einmal wissen.
Die Kamera begleitet Lisa und Ernst bei ihrem Kampf gegen die Schwerkraft und fängt den Moment ein, in dem sie zeitgleich das Ende ihrer Routen erreichen.
Das Ende dieser Sequenz ist eine Kameraeinstellung, an der die beiden Kletterer parallel nebeneinander, freihängend im Seil, zum sicheren Boden abgelassen werden.
Nach dem Erreichen ihres Tageszieles packen die Beiden ihre Rucksäcke und wandern talauswärts, zur Jausenstation von Hubert Grassauer, in dessen Gastgarten Jürgen, Sigi und Tom bereits gemütlich Platz genommen haben. Lisa, Ernst und ihre Begleiter setzen sich zu ihnen und sie fachsimpeln über das Klettern im Grazer Bergland.
Die positive Energie des Kletterns (Stadtkinder 6...
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