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2 Minuten Lesezeit (485 Wörter)

Michael Füchsle – ein Profikletterer mit Handicap.

(c) Michael Füchsle

Ende der achtziger Jahre fiel mir sein Name beim Durchblättern des Klettermagazins Rotpunkt erstmals auf. Michael Füchsle - ein junger deutscher Sportkletterer der immer wieder mit Erstbegehungen von schwierigen Routen, vor allem in Konstein, von sich reden machte. Mit „Winterzeit", im unteren zehnten Grad, erschloß er 1988 die schwierigste Route des Gebietes. Michael, Jahrgang 1966, begann seine Profilaufbahn als Kletterer nach Beendigung seiner Lehre als Gas-Wasser Installateur und obwohl mir in diesen Jahren immer wieder bekannte Gesichter auf meinen Reisen über den Weg liefen, begegneten wir einander nie.

Sein Name erregte erst kürzlich wieder mein Interesse. „Was? Der klettert immer noch Wettkämpfe?" Das Wort Paraclimber in einem Satz mit seinem Namen machte mich stutzig. Neugierig geworden sah ich genauer hin und was ich da lesen konnte, machte mich sprachlos.

Der 51-Jährige Michael Füchsle ist seit 1985 Profikletterer. Im Jahr 2005 jedoch ändert sich sein Leben schlagartig. Nach einem Darmdurchbruch und nachfolgender Blutvergiftung fällt Michael für zwei Wochen ins Koma. Als er erwacht, ist er vom Hals abwärts gelähmt. Es folgt ein halbes Jahr Reha. Sein Zustand verbessert sich deutlich. Die Lähmungen gehen zurück. Michael lernt wieder zu gehen. An Laufdistanzen von mehr als zwanzig Metern am Stück, geschweige denn an Klettern, ist aber nicht mehr zu denken. Michael ist zu 90 Prozent invalid. Es folgten viele weitere Operationen aber noch heute leidet er an Polyneuropathie, einer Schädigung der peripheren Nerven an Armen und Beinen. Trotz seiner gesundheitlichen Probleme gibt sich Füchsle nie auf: "Meine Profilaufbahn hat mir viel geholfen, in der Reha aus dem Rollstuhl zu kommen. Die Erinnerungen ans Klettern haben mir Kraft gegeben und mich zum Kämpfen motiviert."

2012 schließlich, nach sieben langen Jahren, in denen Klettern kein Thema mehr ist, kehrt Michael an die Wand zurück. "Meine Freundin ermutigte mich dazu", sagt Füchsle. "Ohne sie hätte ich wohl nie wieder damit begonnen. Der aus der Nähe von Augsburg stammende Sportler lebt nun seit rund fünf Jahren in Schrobenhausen und trainiert hauptsächlich im Kletterzentrum Ingolstadt. Dort gibt er auch Kurse und fördert ehrenamtlich den Kletternachwuchs. Mithilfe von Sponsoren kann er wieder vom Klettern leben

Der Einstieg nach der langen Pause war richtig hart. "Man fängt völlig neu an. Wie ein Anfänger ", sagt Füchsle."Das war eine neue Erfahrung für mich. Den Vergleich zu vorher kann man nicht mehr ziehen." Es geht auch nicht mehr alles. Stark überhängende Routen meidet er nun eher, denn auf seiner rechten Körperseite hat er keine Bauchmuskeln mehr. Zudem hat Michael seit 2005 einen künstlichen Darmausgang.

Mittlerweile ist Michael seit mehreren Jahren Mitglied des deutschen Paraclimbing Teams und er beendete die abgelaufene Weltcupsaison 2017 auf dem 2. Platz im Endklassement der Handicapklasse RP2. Eine Saison will er noch anhängen, sagt er. Die Weltmeisterschaft im September 2018 in Innsbruck ist sein letztes großes Ziel im Wettkampfklettern.

Danach wird er sich wieder völlig dem Felsklettern, draußen in der Natur, zuwenden und mit seiner Freundin wieder die Klettergebiete der Welt bereisen. Zu tun gibt es noch jede Menge.

„Mich Kemeter – El Topo (8a) – Gorge du Verdon“
„Jim Bridwell – 1944 - 2018“
 

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