Nina Lach - Ist Flash eine Frau? ZOOM! ZOOOM! ZOOOOM!

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Rechtzeitig am 1. März begann das Team CLIMBING.PLUS mit der neuen Interviewserie von und mit bekannten wichtigeren Grazer Kletterern und natürlich auch Kletterinnen - die heute auch den Anfang machen. In weiterer Folge bitten wir euch diverese Genderfehler zu entschuldigen, wir haben uns wirklich Mühe gegeben!
Wir haben Nina Lach im Boulderclub auf ein nettes und entspanntes Gespräch getroffen, bei dem eifrigst mitgeschriftelt wurde, wie anno dazumal im Gymnasium, weil das Aufnahmegerät gerade auch Sonntag hatte.
Nina Lach, wer soll das denn sein? Nun, nur die erfolgreichste Grazer Wettkampfkletterin derzeit, also überlasst uns das Fragen stellen und lest hier ihre Antworten.

CLIMBNIG.PLUS: Nina, zuallererst wollen wir von dir wissen, auf welche Erfolge du besonders gerne zurückblickst bzw. erreicht hast?
N.L.: 2013 wurde ich zur Nachwuchssportlerin des Jahres von der Kleinen Zeitung gewählt, außerdem bin ich amtierende Europameisterin der Junioren im Speedklettern und bei der letzten WM in Neu-Kaledonien wurde ich 8. bei den Juniorinnen.. In der allgemeinen Klasse der Europameisterschaft belegte ich den 14. Platz und bei den letzten Staatsmeisterschaften sprintete ich auf den 2. Platz. Derzeit starte ich bei allen Weltcups in Europa, aber auch in Russland und Baku.

CLIMBNIG.PLUS: Ein ordentliches Programm, kannst du uns einen kurzen Einblick in dein Trainingspensum geben? Wie läßt sich das mit deinem Leben als Privatperson vereinbaren?
N.L.: Derzeit studiere ich Sportwissenschaften und möchte auch das Lehramt dazumachen, das heißt es läßt sich sehr gut mit meinem Alltag verbinden - noch. Als ich noch Schülerin war, sah das allerdings anders aus, da musste ich auch wie jede/r andere in der Früh aufstehen um in die Schule zu gehen. Ich trainiere 5-6 Mal die Woche, wobei das jeweils eine Einheit in der Früh ist und eine am Abend. Zwei bis drei Mal pro Woche mache ich spezielles Speedtraining in der Kletterhalle in Mitterdorf. Da kommt es auch darauf an ob ich gerade in der Aufbau-, der Max- oder der Schnellkraftphase bin. Wenn ich Läufe trainiere, dann mache ich pro Einheit ca. 15 Läufe oder eben Techniktraining wo ich die Wand in Abschnitte unterteile um den Ablauf zu verbessern. Dazu kommt noch Lauf- und Krafttraining, aber auch Bouldern und Sportklettern. Trainiert werde ich von meinem Bruder Thomas.

CLIMBNIG.PLUS: Die unweigerliche Felsfrage. Wie sieht es mit Felsklettern aus? Wie? Wo? Was? Gibt es Projekte an denen du arbeitest und was war die schwerste Route die du geklettert bist?
N.L.: Meine schwerste Route war eine 7c onsight in Kalymnos, derzeit konzentriere ich mich auf des Speedklettern und den Wettkampf und Felsklettern mache ich eigentlich mehr wegen dem Spaß - vor allem mit meinem Bruder. Ich war aber schon in Rodellar zum Klettern, ebenso in Ceuse, in Bleau zum Bouldern, man kommt auch als Wettkampfkletterin ein wenig herum in den Ferien.

CLIMBNIG.PLUS: Wie fühlt es sich denn an im Nationalteam zu klettern? Und was bedeutet es bei Großereignissen an den Start zu gehen?
N.L.: Jede/r ist stolz im Nationalteam zu sein, vor allem in Österreich wo es viele Spitzenathleten gibt, dass es - wie überall auch - Vor- und Nachteile gibt auf Grund der Strukturen ist natürlich klar, aber die Unterstützung wenn man bei Großereignissen an den Start geht (Flugtickets, Unterkunft,...) ist eine große Hilfe. Um ehrlich zu sein gibt es auch Neid im Team aber im Moment des Erfolges freuen sich alle für einen.
Bei Großereignissen war ich schon sehr, sehr nervös. Alles kommt dir extrem lange vor. Die Wartezeit bis man sich aufwärmen bzw. ins Practice gehen kann, dann gibt es Verschiebungen, langes Warten in Iso-Zonen. Aber wenn ich in diesen “Flow”-Zustand komme, dann verfliegt das alles wie im schnellen Vorlauf!

CLIMBNIG.PLUS: Kurze Zwischenfrage: jetzt bist du ja im Nationalteam, aber nicht im steirischen Landeskader. Wie kommt das?
N.L.: Das ist einfach erklärt. Im steirischen Landeskader zählt nicht Leistung, sondern nur die Bereitschaft einen Kaderbeitrag zu bezahlen. Ich habe einfach den Beitrag nicht gezahlt, da ich keinen Vorteil darin sehe. Wir haben einen Landestrainer der sich auf das Bouldern und Lead konzentriert, da sehe ich mich einfach nicht gut aufgehoben - deshalb werde ich auch von meinem Bruder trainiert.

CLIMBNIG.PLUS: Haben Jugendliche, die nicht in Tirol aufwachsen, reelle Chancen in Österreich an die Wettkletterspitze zu kommen?
N.L.: Ja. Chancen schon, aber es ist schwieriger da die Strukturen in Tirol einfach besser sind. Die Halle (Anm.: das Tivoli) ist voll auf Leistungssport ausgerichtet und bei uns muss eben alles für den Breitensport sein. Auch die Konkurrenz ist größer in Tirol, so muss sich jeder Athlet und jede Athletin einfach mehr anstrengen um in den Kader zu kommen. Ein Trainer wie Reini Scherer ist auch ein großer Pluspunkt, vor allem in Kombination mit allen anderen Kadermitgliedern von denen man sehr viel lernen kann und die einen pushen.

CLIMBNIG.PLUS: Sollte Klettern olympisch werden? Was meinst du dazu?
N.L.: Ich finde es schade, dass der Klettersport nicht olympisch geworden ist denn hier wird sehr professionell gearbeitet und er hätte es sich auf jeden Fall verdient. Fraglich ist für mich allerdings der Modus mit dem man dann in die olympischen Spiele gehen würde. Leadklettern finde ich persönlich nicht so spannend als Zuseherin, und beim Bouldern steigt man als Nichtkletterer gleich einmal aus fürchte ich. Speedklettern bietet sich meiner Meinung schon mehr an, denn es ist ähnlich einem Parallelslalom bei den Schifahrern oder Snowboardern. Wer als erster das Ziel erreicht kommt weiter - das versteht wirklich jeder!

CLIMBNIG.PLUS: Das liebe Geld. Als Wettkampfkletterin ist es praktisch Sponsoren zu haben. Wer unterstützt dich denn und wie findet man denn Sponsoren?
N.L.: Unterstützt werde ich vom Sportamt Graz und von der Kletterhalle Mitterdorf. Die Sponsorensuche ist wirklich schwierig, vor allem wenn man kein Vitamin B zu Geldgebern hat. Kletterschuhe zu bekommen wäre schon cool denn da gehen ziemlich viele drauf im Jahr!

CLIMBNIG.PLUS: Wirf einmal einen kurzen Blick auf die Grazer Kletterszene für uns. Was meinst du dazu?
N.L.: Ich finde es gibt keine wirkliche Szene. Es sind einfach kleinere Gruppen die zusammen etwas machen, die sind aber meist sehr in sich geschlossen. Gut finde ich allerdings, dass jetzt immer mehr Leute dazukommen - hier wäre es allerdings wichtig vor allem die Übungsleiter und Instruktoren gescheit auszubilden. Mir ist schon aufgefallen, dass die Qualität der Kletterkurse manchmal zu wünschen übrig läßt. Vor allem richtiges Steigen und Technik wird viel zu oft übersehen und so passiert es einfach, dass in Tirol das Breitensportniveau rund um 7a liegt und bei uns niedriger ist.

CLIMBNIG.PLUS: Stichwort Speedklettern. Es kommt einem so vor, als sei diese Disziplin ein wenig das Stiefkind beim Wettklettern. Was gefällt dir so daran?
N.L.: In Österreich ist es das “Stiefkind”, das stimmt. In anderen Nationen ist es genau umgekehrt da es sehr attraktiv zum Zuschauen ist - wie bei einem Parallelslalom eben. Das Training ist auch sehr abwechslungsreich, weil ich auch viele andere Sachen trainieren muss wie spezielles Kraft-, Lauf- und Sprungkrafttraining. Und natürlich das Wettkampffeeling. Zeitgleich mit einer anderen Athletin in die Wand zu starten und um Zehntelsekunden zu kämpfen - das ist ein richtiger Thrill!

CLIMBNIG.PLUS: Graz wurde ja innerhalb eines Wochenendes zur Boulderhauptstadt Österreichs. Wie schätzt du die Entwicklung des Klettersports hier ein?
N.L.: Ich sehe definitiv eine Entwicklung in Richtung Breitensport denn das Wettkampfklettern nimmt ein wenig ab. Es kommen einfach nicht mehr so viele Junge in den Trainingsgruppen nach wie noch vor ein paar Jahren, oder hören früher oder später auf mit dem Wettklettern. Ich finde es wäre wichtig die Hallen besser aufzuteilen in Breiten- und Leistungssport, damit sich Athleten besser entwickeln können. Es muss auch nicht sein, dass in einem Bereich für Leistungssport irgendeine Henkeltour durch einen Überhang geschraubt wird. Genau wie “leichte Grade” einem überhaupt nix bringen. Weiters ist es sinnlos Routen und Boulder schwerer zu bewerten als sie sind. Ich würde mich über eine ehrlichere und härtere Bewertung in den Hallen freuen, damit die Leute sehen, wo sie wirklich stehen.

CLIMBNIG.PLUS: Gibt es etwas, das du einem Hobbykletterer mit auf den Weg geben möchtest?
N.L.: Ja! Verliere nie die Motivation und habe immer Spaß dabei. Ganz wichtig ist es sich auch bei einem Hobby Ziele zu setzen und dafür zu arbeiten. Gerade das “Weiterkommen” macht es doch interessant.

Wir waren nach dem Interview gleich bouldern und konnten auch Nina bei einem Teil ihres Trainigs beobachten. Die junge Dame ist nicht nur verdammt schnell, sondern zeigt auch beim Bouldern groß auf! So konnte sie in wenigen Versuchen einen weißen Boulder (7A-7B+ ca.) abknipsen (der außerdem einen Doubledyno auf eine Leiste beinhaltete!) und machte gute Figur in einem schwarzen Boulder - da können sich manche Trainiertiere auch noch etwas abschauen! Danke für das Gespräch und die ehrlichen Antworten.

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