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Partnercheck

Partnercheck

Sorgfältig fädle ich meinen Einbindeknoten durch die beiden Schlaufen meines Klettergurtes. Penibel genau achte ich darauf, dass die Seilstränge meines Achterknotens schön parallel zueinander verlaufen. Ich ziehe den Knoten stramm. Zehn Zentimeter Restseil. Kein Backup Knoten. Mit einem Blick ist zu erkennen, dass alles passt. Von mir aus kann es losgehen.

„Alles klar Christian" frage ich meinen Sicherungspartner. Ein kurzes Kopfnicken..

„ Ja" grinst er und zeigt mir dabei sein Grigri. Das Seil ist richtig eingelegt. Alles perfekt.

„Bei dir auch?"

„Ja"

„Lass sehen"

Ich drehe mich zu ihm, so dass er den Knoten prüfen kann.

Christian ist zufrieden.

„Hau di aufi" höre ich noch von ihm, während ich bereits konzentriert eintauche in eine Welt von großen Griffen und Kleinen. In eine Welt von automatisierten Bewegungen. In mein Projekt.

Seit mehr als dreißig Jahren klettern wir nun miteinander. Nie ist uns beim Sichern etwas passiert. Trotzdem machen wir seit einigen Jahren Partnercheck. Wir sichern einander mit dem Grigri. Verwenden die Gaswerkmethode. Jetzt, auf unsere alten Tage, ist es nimmer notwendig einen Blödsinn zu machen.

Ende der Siebzigerjahre habe ich noch mit der Schultersicherung zu klettern begonnen. Die wurde zwar bald von der Prusiksicherung abgelöst aber im Nachhinein betrachtet war auch diese Methode ein Todeskommando. Die Halbmastwurfsicherung war dann der nächste Schritt. Diese Sicherungsmethode verwende ich übrigens auch heute noch gerne in Mehrseillängenrouten.

Um 1980 kam dann der der Abseilachter auf den Markt. Das war dann ein entscheidender Schritt vorwärts und als die Brust-Sitzgurt Kombinationen von den Hüftgurten abgelöst wurden schlug die Geburtsstunde der Körpersicherung.

Mit dem Achter zu sichern wurde über viele Jahre zu unserem täglich Brot. Man musste aufmerksam sein. Durfte das Seil niemals auslassen. Aber man konnte sehr rasch Seil ausgeben und sehr rasch Seil einziehen. Dynamisch sichern ging richtig gut damit und wenn man seinen Partner beim Auschecken sicherte, konnte man das Seil abklemmen und beide Hände loslassen. An einen Unfall kann ich mich über die ganzen Jahre nicht erinnern.

Nun sichere ich seit vielen Jahren mit dem Grigri. Letztlich ist es sicherer als der Achter. Eigentlich dodlsicher und dennoch bietet es genügend Potential um Mist zu bauen. In den letzten Jahren habe ich immer wieder von Unfällen durch Fehlbedienung gehört. Das Seil verkehrt herumeingelegt oder im Stress den Hebel durchgezogen. Immer wieder krachten Leute auf den Boden. Immer wieder ging es mit falscher Handhabung einher. Die Industrie war am tüfteln. Eine Vielzahl von Halbautomaten überschwemmt mittlerweile den Markt. Alle mit dem Ziel noch sicherer zu sein als das bisher Dagewesene.

Ich zweifle mittlerweile ob diese Entwicklung in die richtige Richtung geht. Früher ging ich oft alleine in die heimische Arena und ließ mich vom Erstbesten sichern den ich dort antraf. Zweifel, dass der das nicht richtig könnte kamen nie auf. Natürlich konnte er das.

Das ist heutzutage, trotz aller Technologie, bei weitem nicht mehr selbstverständlich. Ich lasse mich auch längst nicht mehr von Zufallsbekanntschaften sichern. Zudem bleibe ich vorerst auch bei meinem Grigri. Es gibt vielleicht bessere Geräte auf dem Markt aber ich weiß was ich damit zu tun habe und sehe keinen Grund zu einem Wechsel.

Überhaupt gehe ich nur mehr mit guten Freunden an den Fels bei denen ich mich sicher fühle. Klettern ist verdammt gefährlich geworden…

Tausend
Styria Lead Challenge 2017
 

Kommentare 1

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Michael Gattol am Sonntag, 19. Februar 2017 11:52

... die wohl wichtigste Thematik beim klettern. rauf kommt man ja meist eh aber im falle des fallens sowie dem ablassen kommt es ganz auf deinen sicherungspartner an
hierzu hatten wir auch schon einige diskussionen:
https://climbing.plus/forum/russisches-roulette
https://climbing.plus/blog/das-leben-in-der-hand

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... die wohl wichtigste Thematik beim klettern. rauf kommt man ja meist eh aber im falle des fallens sowie dem ablassen kommt es ganz auf deinen sicherungspartner an :o hierzu hatten wir auch schon einige diskussionen: https://climbing.plus/forum/russisches-roulette https://climbing.plus/blog/das-leben-in-der-hand