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Zigeunerloch Erinnerungen

Zigeunerloch (C) Christian Pirkl

Die Begehung der 8c Route "Public Enemy" durch Lukas Schreilechner im vergangenen November und das lässige Video davon haben mich wieder einmal dazu motiviert, in meinem Archiv zu graben. Angefunden habe ich eine Erinnerung an einen Versuch Christoph Grills, Anfang der neunziger Jahre, bei dem ich ihn gesichert habe..... 

Christoph steht auf einem Stein und beginnt das Kletterseil zu schwingen als wäre er John Wayne mit seinem Lasso. Mir ist völlig rätselhaft was er damit bezwecken will und erst als es „Klick" macht und das Seil in den Karabiner schnappt, dämmert mir was er vorhatte. Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, dass so etwas funktionieren könnte. Diese Methode, den ersten Haken vorzuhängen, war mir bis zu diesem Augenblick völlig unbekannt. Wieder hatte ich was dazugelernt. Christoph verblüfft mich jedes Mal aufs Neue.

Wir befinden uns im hintersten Winkel des Zigeunerloches, unter einer kaum strukturierten Wand die sich alsbald zu einem horizontalen Dach hinauswölbt. Auf die Idee, hier etwas einzubohren kann ja echt nur Christoph kommen. Es sieht völlig irre aus. Griffe sind vom Boden aus kaum auszunehmen. Tritte auch nicht. Dass es sich hier tatsächlich um eine neue Dimension im Grazer Bergland handeln könnte merke ich, als ich ihn bei einem Versuch sichere.

Den kühlen Herbsttemperaturen zum Trotz zieht Christoph sein T-Shirt aus. Dass er sich in der Form seines Lebens befindet ist ihm jetzt auch optisch anzusehen. Das knallharte Balkentraining in seiner Wohnung an Mikroleisten mit 60 kg Zusatzgewicht hat seine Spuren hinterlassen. Ich habe selten einen so austrainierten Athleten gesehen. Man sieht förmlich jeden einzelnen Muskelstrang.

Christoph atmet tief durch und konzentriert sich. Nur noch das Rascheln der Blätter im Herbstwind ist zu hören. Einige, wenige Autos fahren draussen vor der Höhle vorbei. Mit einem Aufschrei bringt er die ersten Züge hinter sich. Mit äußerster Präzision setzt er die Füße. Christoph lässt sich mit rechts in den Untergriff kippen. Heelhook. Pressatmung. Die Muskulatur ist zum Zerreisen gespannt. Mir selbst verlangt die Sicherungsarbeit höchste Konzentration ab. Er unterkreuzt. Seine Beine lösen sich von den Tritten. An einer Hand haltend schwingt er sich durch die Luft. Ich halte den Atem an. Wenn er jetzt stürzt wird es ganz knapp bis zum Boden. Ich muss genügend Seil ausgeben um ihn beim Schwung nicht abzustoppen und gleichzeitig nicht zuviel um ihn im Fall des Falles doch noch vor dem Grounder zu bewahren. Mit dem Klicken des Schnappers, als er das Seil einhängt, fällt erstmal alle Spannung von mir ab. Puuuuuhhh. Ist das spannend. Aber es geht weiter. Christoph dreht seinen Körper ein. Sortiert seine Rechte in eine von unten kaum sichtbare Untergriffleiste. Mit einem animalischen Laut schraubt er sie zu. Sein Körper spannt sich wie eine Feder. Die nächsten beiden Züge sind entscheidend. Wenn er die hinkriegt, beginnt seine Chance zu leben. Seine Chance eine, der zu dieser Zeit allerschwierigsten Routen auf unserem Planeten erstzubegehen. Seine Linke schnellt nach oben. Krallt sich die nächste Leiste. Zieht den Körper nach oben. Noch einmal dreht er sich ein. Sein Körper geht wie in Zeitlupe nach unten. Holt Schwung. Als er die Rechte ausfährt um mit den Fingerspitzen, weit drüben, eine Schuppe zu erreichen, bekommt er diese ganz außen zu fassen. Zu weit außen. Sein verzweifelter Schrei hallt durch das Zigeunerloch. Mit all seiner verbliebenen Kraft versucht er nachzuschnappen. Für Sekundenbruchteile scheint es ihm zu glücken aber dann bricht die Körperspannung zusammen und sein Body muss sich der Schwerkraft ergeben. Wie ein Adler im Landeanflug auf seinen Horst zischt er im Bogen in meine Richtung. Christoph zieht die Beine an. um nicht am Boden aufzuschlagen. Ich selbst gebe im richtigen Moment Seil aus und schon steht er neben mir. Einer seiner allerbesten Versuche ist soeben missglückt. Viel knapper kann es wohl nicht mehr sein…

Weitere Infos zum Kletterspot

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„Bachbettprojekt - oder - es war einmal vor langer...
Flyin` through the air
 

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