Bergbücher - Bücherberge

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Mein erstes Bergbuch entdeckte ich in der Kommode meines Onkels. Es war ein dickes, leicht verstaubtes Buch mit rotem Einband. Neugierig nahm ich es in die Hand und blätterte darin herum. Schwarzweißfotos von der Dachstein Südwand erschienen. Und von einem Kletterer in Pumphose, aus dessen Gesäßtasche der Holzgriff eines Hammers ragte. Der Text war in Frakturschrift. Gewöhnungsbedürftig, aber ich konnte es lesen. Jetzt erst klappte ich es zu, um den Titel des Buches zu lesen.

"Im Banne der Dachstein Südwand", von Kurt Maix.

Mein Onkel erlaubte es mir, das Buch mit nach Hause zu nehmen. Ich war noch weit davon entfernt, ein Kletterer oder ein Bergsteiger zu sein aber ich war dennoch fasziniert von den Geschichten. Von der Erstbegehungsgeschichte des Steinerweges, von den Wilderern rund um die Bischofsmütze und von den Schlagschatten in der Dachsteinsüdwand, die Kurt Maix, am späten Nachmittag, die Schwachstellen der riesenhaften Wand anzeigten und anhand derer er sich kletterbare Linien ausdachte.

Dieses Buch war vielleicht auch ein Grund, dreizehnjährig am heimatlichen Ratengrat im Grazer Bergland, mit dem Klettern zu beginnen. 

Im selben Jahr, als ich mich erstmals in ein Kletterseil einband, kam ich zu meinem zweiten Bergbuch, das mich viele Jahre begleiten sollte. Ich erstand es anlässlich eines Diavortrages von Reinhold Messner und nachdem ich, in der ersten Reihe sitzend, mit glühenden Ohren dem Vortrag gelauscht hatte bekam ich sogar ein Autogramm ins Buch geschrieben. 

"Der siebte Grad". Es handelte hauptsächlich von Reinholds Alleingängen im Sommer 1969. Von der Civetta Nordwestwand in den Dolomiten und von der Droites Nordwand im Montblanc Gebiet.

Ich verehrte Reinhold Messner und ich tue es jetzt noch. Erst im letzten Sommer wurde ich völlig unvermittelt zu einer Veranstaltung nach Schloss Sigmundskron eingeladen und ich zögerte keine Sekunde. Nach 43 Jahren sah ich ihn wieder aus der Nähe und war von seiner Ausstrahlung und Rhetorik immer noch gleich beeindruckt wie als Jugendlicher.

Ich bekam von nun an viele Bergbücher zu Weihnachten und anlässlich Geburtstagen geschenkt und an eines kann ich mich ganz besonders gut erinnern: 

"Gipfel und Gefährten" von Kurt Diemberger habe ich als Jugendlicher bestimmt hundertmal gelesen. Es beschreibt genau jenes Bergvagabundenleben, das ich mir unter Klettern und Bergsteigen so vorstellte.

"Meine Welt - die Berge" von Leo Schlömmer wurde ab jenem Moment zu einem meiner Lieblingsbücher, als ich erstmals ehrfurchtsvoll im Haindlkar stand und hoch über mir die Wände sah, die Leo als Erster im Alleingang durchstiegen hatte.

Apropos Alleingang.

"Der Alleingänger". Das Erstlingswerk von Thomas Bubendorfer kaufte ich mir von meinem mühsam ersparten Taschengeld und las es bereits auf der Heimfahrt im Zug aus. Ich finde es noch immer großartig und hin und wieder blättere ich darin und erinnere mich an vergangene Tage.

1979 reisten die ersten Steirer ins Yosemite Valley, das damals hierzulande noch beinahe gänzlich unbekannt war. Mit nach Hause brachten sie, nebst einer Unmenge schier unglaublicher Geschichten, auch ein Buch von George Meyers:

"Yosemite Climber" die Allzeit Fibel des kalifornischen Klettermekkas.

Die nächsten Autoren meiner Lieblingsbücher kenne ich sogar persönlich.

"Climbing" von Thomas Hrovat ist eines meiner Heiligtümer und ich hüte diesen Bildband wie meinen Augapfel. Zudem ist mein Kletteridol Heinz Mariacher auf der Titelseite abgebildet. 

Aus dem selben Verlag stammt "Hochschwab" von Rudi Lindner. Ich war unsagbar stolz und glücklich als ich eine persönliche Einladung von Rudi zu seiner Buchpräsentation in meinem Postkasten fand. Das Buch hat, mit persönlicher Widmung, einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal.

Der nächste Buchautor, den ich mit 16 Jahren kennenlernte und mit dem mich eine bis heute andauernde Freundschaft verbindet, ist der Gosauer Bergführer Walter Laserer. In seinem Buch "Leben Vertikal" zeigt mich ein Foto beim gemeinsamen Versuch der legendären Gruber Route "Voie Verdon" die erste Wiederholung abzuringen. Leider endete unser beherzter Antritt mit einem epischen Abflug, der uns den Wind aus den Segeln nahm.

Nach und nach füllte sich mein Bücherregal mit so ziemlich allen wichtigen Bergbüchern, die auf den Markt kamen.

Heinz Zaks "Rock Stars" ebenso wie Tilmann Hepp´s Biographie über den leider viel zu früh verstorbenen Wolfgang Güllich und alle Bücher der Huber Buam und und und. 

Staunend stehe ich vor meiner Bücherwand und nehme Bücher heraus, in denen ich schon lange nicht mehr geblättert habe.

Achja - da ist Thomas Hrovat`s "Eroberung des Unsichtbaren" mit einigen Episoden die ich selbst miterlebt habe. 

Und hier: "Der leise Weg" Herbert Spitzenstätters Biographie über den sympathischen Tiroler Kletterstar Reinhard Schiestl.

Tom Dauers Biographie über den legendären "Mr. Rotpunkt" Kurt Albert. Über dieses Buch durfte ich sogar eine Rezension verfassen.

Zu guter Letzt nehme ich ein unscheinbares Büchlein mit blauem Einband aus dem Regal. Ein bisserl stolz bin ich schon als ich mit den Fingerspitzen über den Buchrücken streiche.

Ich wollte schon als Kind einmal ein eigenes Buch schreiben und nun halte ich es in Händen.

"Bock auf Verdon" 33 short climbing stories. 

Es handelt von meinen Erlebnissen in der Kletterwelt und soll den Leser zum Lachen bringen. Und hin und wieder auch zum Nachdenken.

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