Der Sommer kommt: Zeit für Waxing

Der Sommer kommt: Zeit für Waxing! Ich hoffe ja wieder auf ein paar stabile lange Sommertage wo das Wetter zum Verweilen und Erstbegehen in einer Nordwand einlädt. Falls du jetzt versuchst einen Zusammenhang zwischen Waxing und Nordwand herzustellen – nein ich klettere üblicherweise nicht in Bademode. Mit Waxing meine ich Bohrhaken wachsen. Noch mehr verwirrt? Hier die Erklärung:

Wer schon einmal mit Bohrhaken eine Route von unten eingerichtet hat, kennt das Problem. Man hat nur mehr wenige Bohrhaken oder gar nur mehr Einen am Gurt hängen und plötzlich hört man ein leises Klingeln. Nein, nicht das Telefon meldet sich mit der frühzeitigen Gratulation zur Erstbegehung, sondern eine Mutter löste sich und der Dübel machte sich auf den Weg zurück zum Einstieg. Jetzt hängt nur mehr die Lasche vereinsamt am Gurt. Beim Kletterer macht sich Panikstimmung breit …

Um dieses Szenario zu verhindern, fixiere ich gerne die Mutter am Dübel. Jeder hat da so seine eigene Technik. Bis jetzt habe ich einen Schraubensicherungslack verwendet. Der fixiert die Mutter so, dass sie sich nicht selbstständig löst aber mit einem Schraubschlüssel trotzdem noch bewegt werden kann. Eigentlich ein gutes System aber mit ein paar Nachteilen. Dieser Klebstoff ist giftig und nebenbei auch teuer. Auch das Fixieren ist relativ aufwendig, wenn man eine große Anzahl von Haken vorbereiten will. Deshalb habe ich etwas Neues probiert und erste Erfahrungen gesammelt, die ich gerne teilen möchte.

Anstatt des Klebers verwende ich Kerzenwachs. Das geht ganz einfach. In einem Topf am Gaskocher schmelze ich eine handelsübliche Kerze ein. Die „Wachssuppe" sollte mindestens so tief sein wie die Mutter, inklusive ein paar Millimeter Reserve, dick ist. Das Wachs muss sehr heiß sein, damit es gut verflüssigt ist. Danach gebe ich Lasche und Beilagscheibe auf den Dübel und schraube die Mutter mit nur wenigen Umdrehungen an – in etwa soweit man sie zum Fixieren im Felsen zurückschraubt. Dann tauche ich das Ganze in das flüssige Wachs, wobei ich Lasche und Beilagscheibe festhalte, damit kein Wachs darauf kommt. Eintauchen tue auch nur soweit, sodass das Wachs die gesamte Mutter und vielleicht ein wenig deren Rückseite bedeckt. Dann drehe ich den Dübel um. So läuft ein wenig von dem flüssigen Wachs unter die Mutter (soweit dies das Gewinde eben zulässt) und lasse es in dieser Position aushärten.

Mit diesen Haken bin ich nun eine kürzere Plaisir-Tour (6 SL) erstbegangen. Wie üblich habe ich ein paar Haken für den Gebrauch im Vorstieg einzeln an den Expressschlingen fixiert. Die Übrigen hingen in Bündeln am Gurt. Von den 40 Haken die ich dazu verwendet habe, hat sich keine einzige Mutter gelöst. Auch das Einschlagen und Fixieren des Dübels war kein Problem (aufgrund der Kletterschwierigkeit musste das manchmal schnell gehen). Der Vorteil ist, dass die Mutter schon in der richtigen Position ist und man beim Einschlagen nicht nachdrehen muss. Sollte man die Mutter etwas zu weit vorne fixiert haben, ist das auch kein Problem, weil das Wachs nach ein paar Hammerschlägen zerspringt. So kann man, wenn notwendig, die Mutter weiter zurückdrehen, damit der Dübel schön versenkt wird.

Also bis jetzt würde ich sagen: sehr ungewöhnliche Methode, billig, einfach und effektiv.

Ein letzter Hinweis: Den Partner vorher fragen welcher Topf nicht mehr in der Küche gebraucht wird. Aber die Frage kennt man ohnehin schon vom Bügeleisen welches zum Skiwachsen verwendet werden darf. 


Die Geschichte meiner Klettergurte.
Ein Bouldertag im Grazer Bergland - in memorian Th...
 

Kommentare 3

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Michael Zisser am Donnerstag, 28. Mai 2020 09:56

Hi! Als Nicht-Wissender was Einbohren betrifft hätt ich ein Frage:
Was spricht eigentlich gegen selbstsichernde Muttern?

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Hi! Als Nicht-Wissender was Einbohren betrifft hätt ich ein Frage: Was spricht eigentlich gegen selbstsichernde Muttern?
Chri Leitinger am Donnerstag, 28. Mai 2020 17:32

Keep it simple stupid: ein ausrangierter, sauberer Chalkbag als Materialsackerl funktioniert einwandfrei.

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Keep it simple stupid: ein ausrangierter, sauberer Chalkbag als Materialsackerl funktioniert einwandfrei. ;)
nixtuer am Donnerstag, 28. Mai 2020 23:12

also ich habe die laschen schon inkl bolt an der expressschlinge montiert. geht eben um einen arbeitsschritt schneller als wenn das ganze im sackl is, grad wenns mal etwas schwerer wird und man net aus dem cliff oder ähnlichem bohrt. ich persönlich dreh die mutter einfach einige umdrehungen ins gewinde, dann kann ich den bolt einschlagen, das seil klippen und bin safe, dreh die mutter bis zum gewindeende auf, schlag den bolt fertig ein und gut is! hat auch in den letzten tagen hier in kroatien wieder gut geklappt 😉

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also ich habe die laschen schon inkl bolt an der expressschlinge montiert. geht eben um einen arbeitsschritt schneller als wenn das ganze im sackl is, grad wenns mal etwas schwerer wird und man net aus dem cliff oder ähnlichem bohrt. ich persönlich dreh die mutter einfach einige umdrehungen ins gewinde, dann kann ich den bolt einschlagen, das seil klippen und bin safe, dreh die mutter bis zum gewindeende auf, schlag den bolt fertig ein und gut is! hat auch in den letzten tagen hier in kroatien wieder gut geklappt 😉

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