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Rotpunkt - Was ist das?

So ne blöde Frage kann eigentlich nur ein Greenhorn oder ein altgedienter Kletterer in der pre-senilen Phase seines Kletterlebens stellen. Oder wisst Ihr die Antwort womöglich auch nicht so genau.

Mein Leben lang kämpfe ich gegen Oberflächlichkeiten (maßlos übertrieben), meist in strukturarmen Platten. Endlich ohne Schürfwunden von den Platten zu Hause, nerven mich die unendlichen Berichte in den Social-Media über irgendwelche Rotpunkt-Begehungen. Brauchst den Käse ja nicht zu lesen, werdet Ihr sagen, aber mir ist halt manchmal auch langweilig. Dann zieh ich mir solche Sachen anstatt ner Flasche Rotwein rein, wobei ich mir nicht sicher bin, was sich schädlicher auf meine Leistungsfähigkeit auswirkt.

Rotpunkt oder Rotwein? Mensch, bleib beim Thema, heute Rotpunkt!

Vor vierzig oder sowas Jahren hingen wir uns ein paar Karabiner oder Exen an den Gurt, zogen die EBs an, benutzten alles, was die Natur uns zur Fortbewegung und zum Ruhen bot, clippten alles spärlich Erreichbare und wurschtelten uns zum Umlenker. Falls es einen gab. Fortbewegung war freies Klettern ohne die Sicherungskette zu belasten und Ruhen war ein No-hand-rest. Der schlaue Kurt nannte dies Rotpunkt und wir Alle plapperten dies nach. Die Krönung war eine Onsight-Begehung: Rotpunkt-Begehung einer unbekannten Route. Einer wirklich unbekannten Route! Youtube gab es noch nicht, sonst hätten wir sicherlich auch schon am Bildschirm die Schlüsselzüge vor dem ersten Versuch auswendig gelernt. Vorinstallierte Exen kannten wir nicht. Keine Ahnung, wie wir die da hoch hätten bringen sollen. Unsere Hirne waren einfach nicht globalisiert.

Was ist heute Rotpunkt? Ich weiß es nicht mehr.

Ich habe allergrößten Respekt und Hochachtung vor den Leistungen der Kletterelite und will in keinster Weise etwas schlecht reden. Aber: Gibt es bei einem 35 Meter Ausdauer - Hammer einen Unterschied, ob vorgeclippt oder nicht? Die meisten von Euch, zumindest die mit Bizeps-Umfang kleiner gleich Gülich, werden sagen: Ja den gibt es! Am Beginn der Route hab ich 15 Exen am Gurt hängen, die ich dann nach und nach mit erheblichem Zeitverlust los werde. Bei der Kletterelite habe ich - bei wahrheitsgetreuer Berichterstattung - mit unterschiedlichen Begehungsstilen kein Problem. Aber die Idole werden doch bereits im 6a-Bereich nachgeäfft und es wird vorgeclippt, was das Zeug hält. Das soll dann Rotpunkt sein? Oder weiter gefragt: Kann man bei einer vorgeclippten Route überhaupt noch eine Onsight-Begehung machen? Der ehemals grinsende, versteckte Bohrhaken schaut nun in Form einer Exe um die Ecke.

Wer klärt einen alten, Dank Irmgard immer noch motivierten Sack auf?

Eine Flasche Kaiserstühler Spätburgunder ist ihr/ihm sicher. An (unter) einem Felsen dieser Welt.



NEU: Kletterführer Kanzianiberg
Als gäbe es kein Morgen
 

Kommentare 1

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Horst Jobstraibitzer am Montag, 20. Januar 2020 19:31

Lieber Berg Franze.
Was war das jetzt für ein Spaß, nach anstrengendem rumgehample in der Boulderhalle, (ich war doppelt so alt wie der zweitälteste dort), deinen Blog zu lesen. You made my day.
Vor einiger Zeit ging es mir nämlich ganz ähnlich wie dir. Nur schlich sich das damals das Wörtchen "Rotkreis" in meine Gedanken.
https://climbing.plus/blog/rotkreis-vs-rotpunkt

liebe Grüße aus dem Grazer Bergland

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Lieber Berg Franze. Was war das jetzt für ein Spaß, nach anstrengendem rumgehample in der Boulderhalle, (ich war doppelt so alt wie der zweitälteste dort), deinen Blog zu lesen. You made my day. Vor einiger Zeit ging es mir nämlich ganz ähnlich wie dir. Nur schlich sich das damals das Wörtchen "Rotkreis" in meine Gedanken. https://climbing.plus/blog/rotkreis-vs-rotpunkt liebe Grüße aus dem Grazer Bergland