Lieber Gast, einige Inhalte von CLIMBING.PLUS stehen nur registrierten Mitgliedern zur Verfügung.
Damit wollen wir den Communitygedanken weiterführen. Als Mitglied trägst du zum Puls der Community bei und nur so ist es möglich, weiterhin hochwertige Inhalte für alle bereitzustellen.
Hier gehts zur Registrierung.

Abseiling down in Arco.

colodri-wand photocredit: auf-den-berg.de

Der tragische Unfall des 31 jährigen US Kletterers Brad Gobright, der vor wenigen Tagen während des Abseilens von der Route „Sendero Luminoso" im mexikanischen Klettergebiet "El Potrero Chico" in den Tod stürzte, stimmt mich nachdenklich.

Wie kann so etwas passieren? So einem erfahrenen Kletterer, der vermutlich beinahe täglich irgendein Abseilmanöver hinter sich brachte? Für den so etwas zur täglichen Routine geworden ist? 

Seil durch den Haken fädeln, runterwerfen, Abseilgerät einklinken und schon geht´s im Tandem nach unten. Das spart Zeit. Die Zeit, die er sich sparte, indem er auf den Knoten am Seilende verzichtete, wurde ihm letztlich zum Verhängnis. Sein Kumpel Aidon Jacobson überlebte den Unfall mit viel Glück.

Ich erinnere mich wieder einmal an meine allererste Tandemabseilfahrt. Es war in 1984 in Arco mit...nomen est omen.. Horror Alfi Fachet. Wir hatten uns zufällig am Camping Zoo getroffen. Er war allein. Ich war allein. Was lag also näher, als gemeinsam zum Klettern zu gehen? In Arco gab es zu dieser Zeit genau drei Sportklettermassive. Da war zum einen die Wand von San Paolo mit dem Swing Sektor, dann die Wand "Nuovi Horizzonti" die seit langem für das Klettern gesperrt ist und zu guter Letzt die "Spiaggia delle Lucertole" unten am See. Nach drei Klettertagen hatten wir die Sportklettermöglichkeiten in Arco also kennengelernt und Alfi weihte mich in seine neuesten Pläne ein. 

Ihm war die Wand unterhalb des Klettersteiges zum Colodri aufgefallen. Den wenigen, damals verfügbaren, Topos nach zu urteilen gab es dort noch keine einzige Route. Alfis Explorergeist war erwacht und es kostete ihn wenig Mühe, mich davon zu überzeugen, mitzukommen.

Im Geiste sah ich mich schon als maßgeblichen Erschließer des Sarcatales. In einer Reihe mit Heinz Mariacher und Roberto Bassi. Arco war damals noch weit davon entfernt ein Klettereldorado zu sein. Vielmehr war es ein Ausweichziel, wenn in den Dolomiten schlechtes Wetter das Klettern vereitelte. Alles war ruhig und beschaulich und folglich waren wir die Einzigen die sich an jenem heißen Augustvormittag mit riesigen Rucksäcken den Klettersteig hochmühten. 

Bald hatten wir den Punkt erreicht, unter dem wir unsere Wand vermuteten. Von oben sah man eigentlich nur Gras und Gestrüpp, aber darunter musste sich unsere Wand befinden. Feinster, plattiger Arcokalk. Nicht ganz senkrecht aber dafür glatt und grifflos.Genau so, wie die Toprouten zu dieser Zeit zu sein hatten.

Alfi fädelte das Seil durch einen der Stahlbügel des Klettersteiges und warf die Seile nach unten, ohne deren Enden zuvor miteinander zu verknoten. Ich war irritiert. Zwar kannte ich Alfi und die Geschichten, die sich um ihn rankten, schon seit einiger Zeit aber vorsichtshalber fragte ich doch nach ob er nicht etwas vergessen hätte. 

Jetzt war es an Alfi mich verblüfft anzusehen. "Alter" sagte er zu mir, "wir seilen im Tandem ab und können gleichzeitig putzen. Geht schneller und ausserdem  können wir gleich gemeinsam schauen wo man klettern kann".

Ich hatte von Tandem zwar schon gehört aber dennoch verspürte ich ein schrecklich ungutes Gefühl in der Magengegend als ich meinen Achter ins Seil klinkte und gleichzeitig mit Alfi den Weg in die Tiefe antrat. Er versorgte mich noch mit ein paar essentiellen Tipps, wies mich darauf hin, niemals das Seil zu entlasten während er noch am anderen Strang hing und schwang sich über die Kante. 

Völlig schmerzbefreit trat er gleich einmal eine riesige lose Schuppe los, die mit höllischem Gepolter in Richtung der darunterliegenden Häuser flog und unsere Seile nur knapp verfehlte. Ich selbst hielt mich krampfhaft an meinem Abseilgerät fest, bedacht darauf nur ja keinen Fehler zu machen und verfluchte den Augenblick in dem ich mich zu dieser Wahnsinnsaktion hatte überreden lassen.

Bald aber legte sich meine Panik und wir putzen, bürsteten und gruben uns den ganzen Nachmittag nach unten. Als wir abends schließlich den sicheren Boden erreichten, hatten wir eine sechzig Meter Route freigelegt von der zumindest Alfi das Gefühl hatte, man könne dort hochklettern. Mir selbst sind einige Passagen in Erinnerung, an denen sich nicht wirklich viele Strukturen zum Klettern befanden. 

Alfi aber war ein viel besserer Kletterer als ich und mit aussichtslosen Situationen bestens vertraut, er wusste bestimmt ob es möglich wäre hier hochzuklettern.

"Stay cool - es geht weiter" hatte Alfi einmal im Höllental an einem Standplatz auf den Fels gepinselt und getreu diesem Motto würde er auch unser Projekt einbohren.

Für mich war es die erste und einzige Tandemabseilfahrt und ich bin heilfroh, es mit heiler Haut überlebt zu haben. 

Wir sind nach unserer Putzaktion nicht mehr dazugekommen die Route einzubohren. 

Alfi verschwand Jahre danach auf mysteriöse Weise während einer Soloaktion in der Eigernordwand. Seine Leiche wurde nie gefunden. 

Durch die Wand unterhalb des Klettersteiges am Colodri, gibt es auch heute, meines Wissens nach, noch keine einzige Kletterroute.

Unser Projekt befindet sich in der Wand genau in Bildmitte. Direkt oberhalb des markanten Mastens. 

Zu alt? Ein Mutmacher für Senioren und solche, die...
Klettern und Bouldern in Deutschland ungehalten
 

Kommentare

Bereits registriert? Hier einloggen
Der Blog wurde noch nicht kommentiert.
Sei der erste :)