Brèche des Barres (3567m) S-N Traversée (AD) Ecrins Massiv (Frankreich)

Barre_Noire_Couloir_07 Im steilen Abstieg von der Brèche des Barres.

Das Ecrins Massiv (auch Dauphiné oder Pelvoux Massiv genannt) wird auch als das Karakorum der Alpen bezeichnet. Das liegt wohl daran, dass alles dort etwas wilder ist. Zum einen sind die Berge schroffer und zum anderen ist die Infrastruktur bei weitem nicht so ausgebaut wie anderswo. Letzteres bedeutet, dass deutlich weitere Wegstrecken und Höhenmeter zu Fuß absoviert werden müssen. In diesem Gebiet befinden sich unter anderem der südlichste 4000er (Barre des Ecrins mit seiner 1400m hohen Südostwand) und auch jener Berg (La Meije (3983m)), an dem Emil Zsigmody im August 1885 abgestürzt ist, als er die Erstdurchsteigung der 800m hohen Südwand versuchte. Wir haben heuer wieder große Touren in diesem wunderschönen Gebiet unternommen, die auf https://callofthealpine.com/ veröffentlicht sind. Eine Begehung möchte ich aber auch hier teilen. Es handelt sich um eine (schon fast) typische Ecrins-Begebung bei der der Abstieg zum Highlight der Tour wird... 

Da wir heuer schon im Juli vor Ort waren, waren so manche Schnee-/Eis-Couloirs noch in gutem Zustand und boten eine willkommene Abwechslung zu unseren übrigen, felsigen Zielen. Als erstes widmeten wir uns dem Couloir Sud, das uns zur Brèche des Barres gleich östlich der Barre Noire führen sollte. Bei unserer Begehung des Pic Coolidge Ostgrats hatten wir einen guten Einblick und so sind wir zu viert zwei Tage später wieder sehr zeitig auf der Moräne des Glacier Noir unterwegs. Heute beginnen sich schon früh in diesem Kessel ein paar Wolken zu bilden und es ist deutlich feuchter, was wir auch an unserer Kleidung spüren, denn wir schwitzen ordentlich.

Gegen Ende der Moräne nehmen wir die erste Gelegenheit wahr die Steigeisen anzuziehen und Blockgelände gegen Schnee zu tauschen. Anfangs ist die Steilheit des Geländes noch sehr moderat, sodass wir unsere Stöcke als weitere Antriebs-möglichkeit verwenden. Erst als wir die Spalte unter dem Couloir erreichen, kommen diese in den Rucksack und die Eisgeräte raus. Da die angegebene Steilheit bei ca. 45° liegt, habe ich als einziger Gewicht gespart und eines am Campingplatz gelassen. Dies ist aber hier gar kein Problem. Georg spurt hinauf und so gleicht uns anderen der Weg eher einer Treppe – vielen Dank dafür. Eindrücklich geht es hier inmitten von mächtigen Steilwänden empor. Im oberen Teil wartet eine kurze, nicht all zu schwierige Eisstufe. Spätestens ab hier ist das Couloir recht eng, doch soll es nicht mehr lange dauern bis wir die Brèche des Barres und unseren heutigen Highpoint erreichen.

Als wir dort ankommen und den Abstieg auf der anderen Seite sahen, da wird uns plötzlich mulmig. Denn die andere Seite sieht steiler aus als der Aufstieg und die Eiswand – ja, Eiswand, denn es fehlt größtenteils auch der Schnee – ist konkav, sodass sie nach unten hin noch steiler wirkt und wir nicht einsehen können, ob wir über die große Randkluft ohne weiteres kommen würden. Und da sollen wir hinunter? Schon typisch Ailefroide – der Abstieg wird zum Highlight – und ich habe nur ein Eisgerät mit. Dennoch nehme ich mir als erstes ein Herz und steige in die Wand ein, weiche bald etwas Richtung Nordwesten aus um wieder guten, griffigen Schnee unter den Steigeisen und meinem Eisgerät zu haben. Wir steigen bis zu einer Felsinsel ab. Dann suchen wir einen Weg durch den Fels und sehen einen weiteren guten Schneestreifen durch die Eiswand, der uns weit unten wieder zu Fels führt.

Nachdem wir den Schneestreifen hinter uns gelassen haben, lässt sich erahnen, dass die Randkluft in der Mitte wohl nicht leicht zu überwinden ist und so bleiben wir im Fels. In diesem kommen wir gut voran – immer wieder vorbei an altem Abseilmaterial, darunter auch zu Standplätzen verbunden Friends. Die letzten Meter bevor wir wieder auf Schnee kommen sind nicht so leicht, doch wir vermuten, dass dies die letzte Hürde sein sollte. Etwa 20-30m unter uns befindet sich schon die riesige Spalte. Es sieht so aus als ließe sich diese im weiten Bogen (orografisch links) umgehen und wir sollen rechtbehalten. Bald haben wir die Spalte umgangen und somit einen für uns machbaren Abstieg ohne Abseilen auf dieser Seite gefunden. Sehr glücklich und auch erleichtert erreichen wir den Glacier Blanc und somit sicheres Terrain. Der restliche Abstieg über den Gletscher und weiter über den gut ausgebauten Weg ist unproblematisch.

Fazit: Spannende Überschreitung der Brèche des Barres. Der Aufstieg auf der Südseite war deutlich weniger anspruchsvoll als der Abstieg. Dieser hätte flacher sein sollen, entpuppte sich jedoch als herausfordernd. Von der Scharte aus gesehen, sieht der Abstieg sehr eindrücklich und wirklich steil aus. Ist doch schön, wenn es am höchsten Punkt noch nicht vorbei ist. Empfehlenswerte Tour. Aufgrund der Ausrichtung und dem Sonnenschutz durch die rechte Seitenwand, kann das Aufstiegscouloir noch spät im Jahr gemacht werden.

Weitere Fotos finden sich hier.

Ort (Karte)

Rezension: Rock´n Roll on the wall, Silvo Karo, en...
Klettern im Salzkammergut, Neues im Gosauzwang
 

Kommentare

Bereits registriert? Hier einloggen
Der Blog wurde noch nicht kommentiert.
Sei der erste :)

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://climbing.plus/