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Viel Farbe im grauen Osten - Eine Kletterreise in Rumänien

Turda Eine Kletterreise in Rumänien

In den letzten Jahren ist Europa vor allem in Richtung Osten "größer" geworden. Doch während viele Neu-EU-Mitbürger die Reise gen Westen antreten, sei es nun zum Arbeiten oder rein aus Interesse und um die neu gewonnene Reisefreiheit zu genießen, sind für die meisten Mittel- und Westeuropäer die Anrainerstaaten am Schwarzen Meer ein noch recht unbekanntes Pflaster.

So ging es auch uns bei der Suche nach einem Ziel für den diesjährigen Sommerurlaub. Die Assoziationen mit Rumänien waren dann auch sehr unterschiedlich: Glaubt man hiesigen Medien, so besteht Rumänien auf Korruption, Verbrecherbanden, billigen Arbeitskräften und hässlich-graue Blocks aus den Zeiten des Kommunismus. Naja, ganz so kann's ja nun auch nicht sein.. Denn es gibt ja auch noch das bunte Zigeunerleben, so "Schwarze Katze - Weißer Kater"? Und dann gibt’s ja noch Graf Dracula, ...?

Nun wir (Oli, Peter und ich) mussten uns eingestehen offensichtlich keine Ahnung von Europa östlich des Plattensees zu haben und so viel es uns nicht schwer uns auf Rumänien als unsere diesjährige Destination zu einigen.

So beluden wir also Anfang August voller Vorfreude unser "Wohnmobil-" für die nächsten 2 ½ Wochen, einen Suzuki Swift. Ohne mit der Wimper zu zucken verschluckte dieses Raumwunder unsere gesamte Kletter- und Campingausrüstung. Gut, in weiser Voraussicht hatten wir einige extra Utensilien ("Mehr als 2 Paar Socken ist Luxus!!") zu Hause gelassen, aber ein so problemloses "einpacken und losfahren" hatten wir definitiv nicht erwartet.

In den nächsten Stunden hatten wir dann auch genügend Zeit unser neues Zuhause ausgiebigst kennen zu lernen. Nur durch einige wenige Pausen unterbrochen, die meist zum Vignettenkaufen oder Fahrerwechsel (Es lebe das Rotationsprinzip!!) genutzt wurden fuhren wir in 18 Stunden (von Süddeutschland aus gerechnet, von Graz kann man etwa 4 Stunden abziehen) durch die Hügel der Wiener Waldes, die Ungarische Ebene (einfach nur flach!!) ins gelobte Land und direkt in unser erstes Klettergebiet.

Nun, dann folgte eben für 2 ½ Wochen der ganz normale Kletterurlaubsalltag: Aufstehen - Frühstücken - Klettern - Abendessen - Schlafen. Und so fuhren und kletterten wir also durch das Land, zuerst das Trascau Gebirge, dann die Karpaten. Lernten Land und Leute kennen und hatten einfach eine gute Zeit.

Und, was kann ich nun anderes sagen als: Schön wars. Rumänien ist ein Land, wie ich es so noch nie erlebt habe und wie ich es auch nicht erwartet hätte. Es gibt viele Widersprüche in diesem Land, die sich jedoch oft ganz einfach auflösen, bzw. gar nicht als solche wahrgenommen werden. z.B. der Straßenverkehr: Man sieht viele neuere Autos und mit unserem Swift waren wir eher unterdurchschnittlich ausgestattet (1ste Verkehrsregel: wer mehr PS hat, hat Recht). Aber hört man Geschichten anderer Rumänien-reisender so hat man schnell das Gefühl, die Straßen in Rumänien bestehen mehr aus Schlaglöchern als Asphalt. Nun, es gibt Schlaglöcher, ja, aber die meisten Straßen lassen sich sehr gut befahren. Vor allem die National- und Überregionalstraßen sind mittlerweile in sehr guter Verfassung. Man muss auch sagen, dass im Land zur Zeit sehr viel Straßenbau betrieben wird. Viele alte Straßen werden ausgebessert, oder überhaupt neue gebaut. Hat man jedoch doch einmal Pech und erwischt eine dieser rough roads, so muss man eben langsam fahren. Nur einmal mussten wir wirklich eine Fahrt unterbrechen, da es in der Dunkelheit einfach keinen Sinn mehr machte bzw. wir uns und dem Auto auch nicht mehr antun wollten.

Plant man eine solche Reise durch Rumänien so sollte man definitiv bedenken, das man im Land um einiges langsamer voran kommt als man es aus unseren Breiten gewöhnt ist. Zwar sind die Nationalstraßen gut ausgebaut, jedoch meist einspurig. Das führt dazu, dass man meist hinter einem LKW in einer langen Schlange hängt, die dann langsam am LKW vorbeizieht, bis eben der nächste LKW kommt. Aber das viel größere Problem an den Nationalstraßen ist, dass sie von allen, wirklich allen benutzt werden. D.h. Autos, Lkws, Baumaschinen, Fahrradfahrern und Pferdekarren. - Ja, Pferdekarren. Die gehören zum Alltag in Rumänien genauso wie Sensen und Sicheln. Man sieht sehr oft Menschen aus den Feldern in Handarbeit das Gras schneiden oder mit dem hochbeladenen Pferdekarren die Heuernte einfahren. Das ist schon sehr beeindruckend wie hier auf dem Land die Menschen mit einfachen Mitteln zurechtkommen und man fühlt sich in eine Zeit vor 50-100 Jahren zurückversetzt.

In einem Bericht über Rumänien darf ein Thema nicht fehlen: Feuer. Ich war wohl noch nie in einem Land in dem es so normal und Teil der Kultur war, raus aufs Land zu fahren und ein Feuer zu machen. Es ist wirklich unglaublich. Auf jedem auch nur einigermaßen schönen Ort sitzt, steht oder liegt eine Gruppe Einheimischer, sei es jetzt die Familie oder einfach nur Freunde, um ein Feuer. Meistens um zu Grillen, oft aber auch nur einfach so. Weil's schön ist. Das war wirklich faszinierend. Und wenn es dunkel wird schlägt man einfach ein Zelt auf und schläft. Eine solche Kultur des draußen-beieinander-seins habe ich wirklich noch selten erlebt. Man muss es eigentlich nicht extra erwähnen, aber diese Kultur kommt natürlich auch notorisch-geldsparenden Klettervagabunden zu Gute. In den 2 ½ Wochen unserer Reise waren wir kein einziges Mal auf einem Campingplatz. Es fand sich immer ein Plätzchen, meist eine Wiese, oder zumindest eine Parkbucht abseits der Straße wo man gut schlafen konnte. Das wird in diesem Land nicht nur toleriert, sonderen von vielen Menschen auch so gelebt. An touristischeren Orten, wie z.B. der Turdaklamm (Cheile Turzii) gibt es Versuche, diese Kultur etwas zu steuern, z.B. in dem Dixie-Klos und Mülleimer aufgestellt werden, oder z.B. wie im Rarau, an besonders sensiblen Ecken zelten und offenes Feuer zu verbieten. Aber, zumindest so kam es mir vor, Campen und offenes Feuer ist inherenter Teil der rumänischen Kultur, was mir dieses Land wirklich sehr sympatisch gemacht hat.

In Rumänien ist Klettern ein noch weitgehend unbekannter und selten betriebener Sport, der nur von wenigen Menschen ausgeführt wird. Dafür ist die Szene um so dynamischer. In beinahe jedem Gebiet in dem wir waren gab es neu eingebohrte Touren, Verlängerungen oder ganze Sektoren. In vielen Gebieten wird selten geklettert, so dass der Fels oft noch sehr rau ist, jedoch auch noch einige lose Steine in den Touren liegen. Wenn wir mal Kletterer an den Felsen antrafen so waren sie meist sehr aufgeschlossen und gaben uns viele Tipps für unsere weitere Reise. Daß die Kletterszene überschaubar ist, heißt aber nicht, daß an der Sicherheit abstriche gemacht werden müssen. Alle Klettergebiete, die wir besucht haben, waren perfekt mit Bolts eingerichtet. Die Tops in 95% aller Fälle sogar mit zwei Bolts, sonst ein fetter Ring. Also Sicherheitstechnisch wirklich auf dem neuesten Stand.

Ansonsten bleibt mir nicht viel mehr zu sagen als: Schaut's euch selber an, Europa ist größer und vielseitiger als man denkt!

Hier möchte ich euch die von uns besuchten Gebiete vorstellen.

Cetatea Lita

Eingebettet in die wunderschöne Landschaft des Trascau-Gebirges war Cetatea Lea unsere erster Kontakt mit Rumänischer Kletterei. Cetatea Lea bietet technisch anspruchsvolle Kletterei in den leichten bis mittleren Schwierigkeitsgraden an etwa 15m hohen Felsen. Der Reiz des Gebietes liegt vor allem an den schönen Ausblicken und der Abgeschiedenheit. Hier wird selten geklettert, weshalb der Fels auch noch schön griffig ist.

Turdaklamm (Cheile Turzii)

Die Turdaklamm ist eine Schlucht, die ein Fluss in die Außläufer des Trascau-Gebirges geschnitten hat. Wie die kleine Schwester von Paclenica erscheint einem dieses grüne Paradies. Es gibt unzählige Klettersektoren in allen Schwierigkeiten. Die meiste Kletterei findet an senkrechten Platten statt.
Spektakulär ist die Ungarische Höhle. Hier finden sich kräftige Routen für den modernen Sportkletterer und der wohl überhängenste 6er der Welt! Die Turdaklamm ist unter Rumänen ein beliebtes Ausflugsziel. Da sich viele Kletterfelsen in direkter Nähe des Weges befinden, hat man hier sehr oft Zuschauer und man sollte nicht allzu Kamera-scheu sein.. Die Besucher schauen oft interessiert und hier hat man wirklich die Gelegenheit mit Rumänen ins Gespräch zu kommen.

Herkulesbad (Băile Herculane)

Herkulesbad ist ein kleiner Ort am Ende des Cerna-Tals, welches eines der wichtigsten Klettergebiete in Rumänien darstellt. Im Prinzip ist das ganze Tal voll mit Felswänden und bisher ist nur ein kleiner Teil davon erschlossen. Hier gibt es Klettereien in allen Geschmäckern und Graden, die sich teilweise bis 24 Kilometer talaufwärts befinden. Ein Highlight in Herkulesbad sind die heißen Quellen. Schon seit der Römerzeit werden den Quellen um Herkulesbad heilende Kräfte zugesprochen. Die meisten Quellen sind heute natürlich in Privatbesitz der Hotels. Unter dem Sektor Roman, jedoch, gibt es ein rund um die Uhr öffentlich zugängliches Becken, welches ca. 50°C heißes Wasser enthält. Zur Abkühlung dann in die Cerna – einfach ein Erlebnis und super zur Regeneration!!

Kronstadt (Braşov)

Kronstadt kann man wohl als das "Innsbruck Rumäniens" bezeichnen. Gut, die Karpaten sind nicht die Alpen, aber Kronstadt ist wohl der perfekte Ausgangspunkt für allerlei Bergaktivitäten. Mountainbiken, Wandern, Klettern ja selbst Skifahren kann man in direkter und weiterer Umgebung der Stadt. Wir haben uns drei Klettergebiete in der Region um Kronstadt angeschaut.

Königstein (Piatra Craiului)

Die Klettergebiete im Nationalpark Königstein befinden sich, ähnlich wie in der Turdaklamm, entlang eines Wanderweges, der aber weitaus weniger besucht ist. Es gibt senkrechte bis überhängende Kletterei vom 6ten bis zum 10ten Schwierigkeitsgrad. Abseits der Zivilisation (das nächste Dorf ist 5km weg) kann man hier Ruhe und Natur in vollen Zügen genießen. Aber Vorsicht: uns wurde von mehreren Zwischenfällen mit Bären in diesem Gebiet berichtet. Das Essen nachts immer weg stellen (nie mit ins Zelt)!!

Belvedere

Etwas abseits der Stadt bietet der Felsriegel Belvedere sehr schöne Kletterei in einer ruhigen Umgebung.

Zinne (Tampa)

An der Zinne klettert man direkt über der Stadt und genießt einen schönen Tiefblick über die Stadt. Leider gibt es nur eine geringe Auswahl an mittleren Touren und die sind dann nicht besonders hoch. Zusammen mit dem langen Zustieg sollte man hier jedoch das Gesamterlebnis in den Vordergrund stellen.

Rarău

Das Rarău-Gebirge war zum Ende unserer Reise nochmals eines der landschaftlichen Highlights. An unzähligen Schlaglöchern vorbei brachte uns unser treuer Swift auch zu diesem abgelegenen Kletterspot. Wie ein Juwel in der Landschaft steht der Piatra Mare, und wenn man Ihn so vor sich sieht kann man kaum glauben, dass er nur 70 Meter hoch sein soll..

Führer

Wir hatten 2 Führer mit im Gepäck:

  • Dimension Vertical - Kletterführer Rumänien von Gerald Krug, Geo-Quest Verlag, Rumänien-Gesammtführer Dies war unsere "Hauptinformationsquelle". Es sind (fast) alle gebiete in Rumänien beschrieben. Er enthält alle wichtige Informationen zu Anreise, Zustiegen,... Die meisten Felsen werden mit einem Topo gewürdigt. Das einzige Manko ist eine gewisse Detailarmut, welche die Orientierung gelegentlich erschwert. Aber bei so einem Projekt muss man das wohl in Kauf nehmen, vor allem da der Autor ja selber nicht vor Ort ist. Ein nettes Gimmik an diesem Führer ist, dass er in 3 Sprachen verfasst ist: Rumänisch Deutsch, Englisch, und dass er ein kleines Wörterbuch dieser 3 Sprachen besitzt. So kann man erste Gespräche zumindest versuchen..
  • Rock Climbing Atlas South Eastern Europe, Rocks Unlimited, Auswalhführer In diesem Führer bekommt man viel Informationen über ein sehr großes Gebiet. Es gibt keine Topos, man erfährt jedoch, wo man die lokalen Führer kaufen kann. Insgesammt gut für die Reiseplanung, aber wenn man dann wirklich unterwegs ist sind die Informationen eher spärlich

Rock Climbing in Romania, ist ein weiterer Führer mit dem Gebiet Brasov als Schwerpunkt. Dieses Zentrale Gebiet sehr ausführlich mit Foto-Topos, guten Anstiegsbeschreibungen und allem drum und dran beschrieben. Wenn man sich lange in der Zeit um Brasov aufhalten möchte ist dieser Führer sicher eine gute Wahl.

Ort (Karte)

Nobody´s Climbing goes Chillaz
Nobody´s Climbing - erste Drehtage
 

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