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Der Bärenschützkrimi, #2

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Die Vorgeschichte

Der Bärenschützkrimi, #1

Machacek überblätterte das Posting auf Facebook beinahe, wäre ihm nicht das Wort Bärenschützklamm aufgefallen. Neugierig scrollte er zurück. Gab es etwas Neues in der Klamm? Die Bärenschützklamm, oder besser gesagt das gesamte Tal dort, kannte er wie seine Westentasche. Ja er getraute sich sogar zu behaupten, dass es niemanden gab der die Gegend mi...
https://climbing.plus/blog/arbeitstitel-machacek

Die Sonne stand bereits tief im Westen und während sie den Brunntalpfeiler in goldenes, warmes Herbstlicht tauchte, war es auf der gegenüberliegenden Bergseite schattig und kalt. Es waren mehrere Stunden vergangen, seit Michael dort den sicheren Waldboden verlassen hatte. Freihängend zog er sich mit seinen Steigklemmen am fixierten Seil hoch und erreichte nach sechzig anstrengenden Metern endlich den letzten Umkehrpunkt. Dort angelangt sortierte er sein Material am Klettergurt. Er zog die Bohrmaschine am Hilfsseil hoch und machte sich bereit für den Aufbruch ins Neuland. Lediglich zehn Meter fehlten ihm noch bis zum Beginn einer großen Nische. Dort würde die Kletterroute ihr Ende finden. Michael und sein Sicherungspartner David hofften, dass dieser Anlauf ihr Letzter sein würde. Zwei Jahre lang hatten sie mit dieser überhängenden, beinahe strukturlosen Felswand gerungen und nun waren die beiden kurz davor ihr Projekt erfolgreich zu beenden. Von Anfang an war ihnen klar, dass es sich hier um einen neuen Schwierigkeitsgrad im Grazer Bergland handeln würde. Routen solcher Dimension gab es bislang nur in Spanien und Norwegen und das waren die Schwierigsten der Welt. Es war ein großes Glück eine Felswand zu finden, die alle Voraussetzungen für eine Kletterroute im High End Bereich bot. Sie sollte möglichst hoch und überhängend sein und gerade noch genügend Strukturen aufweisen, die ein freies Klettern ermöglichen. Und sie durfte keine Rastmöglichkeiten aufweisen. Der Kletterer musste sich ab dem ersten Meter am Limit bewegen und die Kletterzüge sollte er gerade noch mit allerletzter Kraft hinkriegen. Mit jedem Meter musste es härter werden. Der Kletterer würde sukzessive ausbrennen bis er weit oben endlich, bereits am Ende seiner Kräfte, die Schlüsselstelle erreichte. Hatte er die überwunden, blieben im Idealfall immer noch zehn anstrengende Meter, in denen er trotz aller Erschöpfung keinen Fehler machen durfte. Das waren die Zutaten für die schwierigsten Routen unseres Planeten. Und ihr Projekt, weit hinten im Bärenschütztal, hatte sie alle.

Routiniert bewegte sich Michael nach oben. Die Wand hier war nicht mehr ganz so überhängend und die Strukturen wurden mit jedem Meter kletterfreundlicher. Der Fels war über Millionen von Jahren durch Wasser und Wind bearbeitet worden und ähnelte nun der Oberfläche eines Brotlaibes. Mit der Maschine setzte Michael alle paar Meter einen Bohrhaken und kurz vor Einbruch der Dämmerung bekam er mit einem Freudenschrei den untersten Rand der Nische zu fassen. Sie hatten es geschafft. Michael zog sich in die Nische und setzte die beiden Standhaken, die er mit einer massiven Rundgliederkette verband. Erst als er sich an den Abstieg machte, bemerkte er entsetzt den Toten, der sich lautlos über ihm, an einem Seil hängend, in der Luft drehte.

Der nächste Tag.

Unter lautem Dröhnen flog der Hubschrauber direkt über den Gastgarten hinweg in das Bärenschütztal. Kurz nahm er Kurs auf die markante Pyramide des Nadelspitzes, bevor er sich auf die linke Seite kippen ließ und in Richtung Schwaigerkamm verschwand. Das Dröhnen wurde leiser.

Machacek war der einzige Gast an diesem Morgen. Hin und wieder gönnte er sich den Luxus, seinen Frühstückskaffee bei der Jausenstation zu genießen. Meistens, bevor er sich auf eine seiner Wanderungen begab, die ihn, abseits der bekannten Pfade, in die verstecktesten Winkel des Tales führten.

Der Wirt stand vor dem Haustor und starrte dem Hubschrauber nach.

„So früh schon ein Einsatz?" fragte Machacek.

„Die werden wohl die Leiche holen", antwortete der Gastwirt. Er setzte sich zu Machacek an den Tisch.

„Eine Leiche?"

„Ja. Zwei junge Burschen haben sie gestern am Schwaigerkamm gefunden. Hast du nichts davon gehört?"

Machacek schüttelte den Kopf. Der Leichenfund war ihm neu.

„Steht heute sogar schon in der Zeitung", sagte der Wirt. Er stand auf um die Zeitung aus der Küche zu holen. Wenig später legte er sie aufgeschlagen auf den Tisch. Es war ein kurzer Bericht. Zwei junge Kletterer waren in einer achtzig Meter hohen Felswand auf ein Skelett gestoßen. Näheres war noch nicht bekannt. Die Nachricht kam erst kurz vor Redaktionsschluss zur Lokalzeitung und der Bericht verwies auf den nächsten Tag, der mehr Licht in die Angelegenheit bringen sollte.

„Kennst du die Beiden?"

„Ja. Sie waren spätabends noch bei mir. Die beiden waren ganz schön durch den Wind. Aber das wäre ich wohl auch. Stell dir vor: plötzlich baumelt ein Skelett vor deiner Nase. Mir würde der Schreck bestimmt in alle Glieder fahren."

Machacek stimmte ihm zu. Er kannte dieses Gefühl nur zu gut. Aber das behielt er in diesem Augenblick für sich.

Wieder war das Dröhnen von Rotoren zu hören. Es wurde stetig lauter und bald war der Hubschrauber des Innenministeriums zu sehen, der, keine hundert Meter vom Gastgarten entfernt, zur Landung ansetzte. Vier Bergretter sprangen nacheinander heraus und liefen geduckt in Richtung Wirtshaus. Kurz darauf nahmen sie an einem der Tische im Gastgarten Platz.

„Und?", fragte der Wirt während er sich mit seinem Notizblock zu ihnen gesellte. „Habt ihr das Skelett runtergeholt?"

Einer der Bergretter schüttelte den Kopf. „Dafür sind jetzt andere zuständig!"

„Andere?"

„Ja. Jetzt ist die Mordkommission dran."

Die Bergretter bestellten sich Bier. Zum Essen war ihnen wohl nicht zumute.

„Mord?" fragte Machacek. „Dort oben?"

„Wir haben es anfänglich auch gar nicht bemerkt. Erst als wir feststellten, dass die Hände auf den Rücken gefesselt waren, wurden wir aufmerksam und sahen genauer hin."

Der Bergretter schüttelte den Kopf. „Normalerweise wäre der Tote nie gefunden worden. Die Leiche hängt bestimmt seit zwanzig Jahren dort oben. Es wäre der perfekte Mord gewesen. Aber irgendwann kommt anscheinend alles ans Tageslicht. Auch wenn es noch so lange dauert."

Seine weiteren Sätze konnte Machacek nicht mehr verstehen. Der Hubschrauber hob unter ohrenbetäubendem Getöse wieder ab und flog talauswärts in das Dorf.

Die Fortführung

Der Bärenschützkrimi, #3

Die Vorgeschichten  Der Bärenschützkrimi, #1 Machacek überblätterte das Posting auf Facebook beinahe, wäre ihm nicht das Wort Bärenschützklamm aufgefallen. Neugierig scrollte er zurück. Gab es etwas Neues in der Klamm? Die Bärenschützklamm, oder besser gesagt das gesamte Tal dort, kannte er wie seine Westentasche. Ja er getraute sich sogar zu ...
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